Für Berlins Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) ist denkbar, die allgemeine Quarantänezeit von bisher 14 Tagen zu verkürzen. Sie gilt etwa für Kontaktpersonen, die sich möglicherweise mit dem Coronavirus infiziert haben.
„Es gibt unterschiedliche wissenschaftliche Untersuchungen dazu und auch Erfahrungen in anderen europäischen Ländern, beispielsweise von 14 auf zehn Tage zu gehen“, sagte Kalayci am Freitag der Deutschen Presse-Agentur. „Wir haben das Robert Koch-Institut beauftragt durchzurechnen, wie ist die Infektiosität nach zehn Tagen, nach 14 Tagen, wie ist es eventuell nach sieben Tagen“, sagte die Senatorin, die auch Vorsitzende der Gesundheitsministerkonferenz ist.

Warten auf RKI-Ergebnisse

Wenn das Robert Koch-Institut (RKI) seine Ergebnisse vorgelegt habe, könne man über eine Verkürzung entscheiden. Ein anderes Thema sei die Frage, ob die Isolierung verkürzt werden solle, sagte Kalayci. Sie bezieht sich auf Infizierte, die das Virus ausscheiden und dauert bisher zehn Tage.
„Für viele Menschen ist die 14-tägige Quarantäne eine ganz große Herausforderung, wenn Kitas, Schulen betroffen sind, Eltern, Arbeitgeber“, sagte Kalayci am Freitag im ZDF-„Mittagsmagazin“. Eine Verkürzung wäre für viele eine Erleichterung.
Kalayci hat begrüßt, dass die Gesundheitsämter in der Corona-Pandemie gestärkt werden sollen. Für die Eindämmung der Infektionen sei die Kontaktnachverfolgung die wichtigste Strategie, so die SPD-Politikerin im ZDF. „Es ist unheimlich viel Aufwand von den Gesundheitsämtern, jeden positiven Fall aufzugreifen, die Kontakte zu ermitteln, zu isolieren und zu testen.“ Details dazu wollen die Gesundheitsminister der Länder zusammen mit Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) bei ihrer Schalte am späten Freitagnachmittag besprechen.

Mehr IT für Gesundheitsämter

Dabei soll es insbesondere um die Frage gehen, wie sich die Gesundheitsämter personell, aber auch mit Blick auf die IT-Ausstattung stärken ließen, sagte die Gesundheitssenatorin. Das dafür angekündigte Vier-Milliarden-Programm begrüße sie sehr. Es werde schon viel unternommen, um den Öffentlichen Gesundheitsdienst (ÖGD) zu stärken, etwa durch Personal für die Gesundheitsämter aus anderen Bereichen. „Aber das reicht natürlich nicht. Und bei der Bewältigung der Pandemie - das haben wir gemerkt - sind starke und moderne Gesundheitsämter sehr wichtig. Deswegen ist es gut, dass hier weiter investiert werden soll.“
Die Bundesregierung hat Anfang Juni in ihrem milliardenschweren Konjunkturpaket einen „Pakt für den Öffentlichen Gesundheitsdienst“ beschlossen. Bundesgesundheitsminister Spahn hatte damals angekündigt, der Bund wolle in den nächsten Jahren vier Milliarden Euro in den Öffentlichen Gesundheitsdienst investieren.