Berlin hebt ab Montag (17. Mai) die Priorisierung für alle verfügbaren Corona-Impfstoffe bei Haus- und Betriebsärzten auf. Das kündigte ein Sprecher der Senatsverwaltung für Gesundheit am Donnerstag auf dpa-Anfrage an. Zuvor hatte das Magazin „Business Insider“ darüber berichtet.
Bisher war die Vergabe an Kriterien wie Alter, Vorerkrankung und die Zugehörigkeit zu bestimmten Berufsgruppen geknüpft. Zuvor hatten bereits Bayern und Baden-Württemberg ähnliche Schritte angekündigt.

Corona-Impfstoffe weiterhin knapp

Das Vorgehen bedeutet allerdings nicht, dass jeder sofort kurzfristig geimpft werden kann. Die verfügbaren Impfstoffmengen sind laut Gesundheitsverwaltung zunächst weiter relativ knapp, erst ab Juni werde mit größeren Mengen gerechnet.
Patienten, die zu einer der drei Prioritätengruppen zählen und noch nicht geimpft sind, hätten zudem weiter Vorrang, erläuterte der Sprecher. Für die Impfzentren der Hauptstadt ändere sich am bisherigen Vorgehen zunächst nichts.
Für den Impfstoff von Astrazenca hatte Berlin die Priorisierung vor einer Entscheidung auf Bundesebene am 22. April aufgehoben. Auch Menschen unter 60 können Astrazeneca seitdem nach ärztlicher Aufklärung und bei individueller Risikoakzeptanz erhalten, ohne dass Kriterien wie bestimmte Vorerkrankungen oder die Zugehörigkeit zu ausgewählten Berufsgruppen erfüllt sein müssen. Für den noch relativ neuen Impfstoff von Johnson & Johnson ist die bundesweite Aufhebung der Priorisierung seit Montag bekannt.
Die Ständige Impfkommission (Stiko) hatte sich kürzlich noch gegen eine Aufhebung der Priorisierung ausgesprochen. Das Expertengremium verwies auf noch relativ hohe Anteile ungeimpfter Menschen in den besonders gefährdeten Gruppen.

Scharfe Kritik von Kassenärzten in Berlin

Berlins Kassenärzte haben überrascht und mit scharfer Kritik auf die von der Gesundheitsverwaltung angekündigte Aufhebung der Priorisierung beim Impfen gegen Corona in den Praxen reagiert. Dadurch würden falsche Erwartungen bei den Berlinerinnen und Berlinern geweckt, Chaos in den Praxen sei programmiert, teilte die Kassenärztliche Vereinigung (KV) der Hauptstadt am Donnerstag mit. Es habe vorab keine Absprachen zu dem Thema gegeben.
Noch immer mangele es den Ärzten an Impfstoff, so dass selbst Menschen aus den Vorranggruppen bislang nicht umfassend geimpft werden könnten, erklärte die KV. Auch sei die Priorisierungsgruppe 3, zu der etwa Menschen über 60 gehören, gerade erst geöffnet worden. Man rate den Praxen daher, auch weiter an Kriterien wie Alter, Vorerkrankung und Zugehörigkeit zu bestimmten Berufsgruppen festzuhalten. Ob dies noch vermittelbar ist, sei die große Frage. „Die Frage der Impfpriorisierung darf nicht zum Wahlkampfthema gemacht werden, sondern hat wohlüberlegte sachliche Hintergründe.“
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