Angesichts gestiegener Infektionszahlen gelten ab Montag in Berlin strengere Regeln für Menschen, die nicht gegen das Coronavirus geimpft sind. An vielen Stellen greift dann die 2G-Regel - das bedeutet, dass beispielsweise in Restaurants, Museen und Kinos nur noch Geimpfte oder Genesene Zutritt haben. Ein negativer Schnelltest (wie bei 3G) reicht nicht mehr aus. Darauf hatte sich die Landesregierung vergangene Woche geeinigt.
Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) rief am Wochenende bei Twitter erneut dazu auf, sich impfen zu lassen. Laut Lagebericht sind bisher 67,8 Prozent der Menschen in Berlin vollständig gegen das Coronavirus geimpft. Mit einem Impfzentrum auf dem Gelände der Trabrennbahn Karlshorst will Berlin nun die Impfmöglichkeiten im Ostteil der Stadt ausbauen.

Höhere Impfkapazität in Lichtenberg

Bis zu 800 Impfungen täglich sollen dort mit Terminbuchung in Kürze möglich sein, wie Gesundheitsstaatssekretär Martin Matz (SPD) der Deutschen Presse-Agentur sagte. Der Standort sei gut per S-Bahn, Bus und Auto erreichbar, Taxis könnten gut vorfahren. Zudem will die Gesundheitsverwaltung die Impfkapazität in Lichtenberg im „Ring-Center“ ausbauen auf bis zu 800 Impfungen täglich. Ziel sei es, die beiden neuen Standorte noch im November zu eröffnen.
Hintergrund sind die gestiegenen Infektionszahlen und auch die zugespitzte Lage in Krankenhäusern in Deutschland. Politiker fordern nun beispielsweise die Anwendung der 3G-Regel im Zugverkehr. Das Robert Koch-Institut (RKI) hatte auch dazu aufgerufen, Kontakte zu reduzieren. Auch eine Verkleinerung oder Absage von Großveranstaltungen brachte das Institut ins Gespräch.

Aktuelle Corona-Zahlen in Berlin

In Berlin stieg die Sieben-Tage-Inzidenz am Wochenende über die 300er-Marke. Die Zahl gibt an, wie viele nachgewiesene Infektionen pro 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen registriert wurden. Die entsprechende Ampel im Warnsystem des Landes zeigt Rot. Am Sonntag vor einer Woche hatte der Wert bei 195,3 gelegen.
Nach Senatsangaben sind 13,7 Prozent der Intensivbetten in der Stadt mit Covid-19-Patientinnen und -Patienen belegt. Vor einer Woche war der Wert mit 11,5 Prozent angegeben worden. Die Warnampel steht hier auf Gelb. Die Hospitalisierungs-Sieben-Tage-Inzidenz liegt mit 3,4 laut Lagebericht weiter im grünen Bereich.
Grundsätzlich sind seit Samstag auch wieder kostenlose Corona-Tests möglich. Der Bund hatte das Angebot der „Bürgertests“ erst vor einem Monat stark eingeschränkt. Nun sollen wieder alle Anspruch auf mindestens einen Schnelltest pro Woche durch geschultes Personal haben. In einem Einkaufszentrum in Pankow stellten sich am Samstag etliche Menschen für eine Impfung oder einen Corona-Test an. Auch bei einer Apotheke in Prenzlauer Berg gab es eine größere Nachfrage nach solchen Tests, wie eine Mitarbeiterin berichtete.
Als Nachweis reichen die Tests in vielen Einrichtungen ab Montag aber nicht mehr aus. Dann gilt 2G. Auch das Kulturleben bereitet sich vor. Ab Montag müssten sie an den Eingängen entsprechend kontrollieren, teilte ein Sprecher des Humboldt Forums mit. „Als Nachweis müssen digital lesbare Impfzertifikate oder Genesenenzertifikate vorgelegt werden. Die Vorlage eines Impfausweises in Papierform ohne digital lesbaren QR-Code oder ein aktueller Testnachweis reichen für den Besuch nicht mehr aus.“
Das gelte nicht nur für Besucherinnen und Besucher der Ausstellungen und Veranstaltungen, sondern auch für alle, die nur einen Blick ins Haus werfen wollten. Eine Ausnahme gelte etwa für Schülerinnen und Schüler. Da die Prüfung zeitaufwendiger sei, müssten sie die Besucheranzahl pro Zeitslot teilweise reduzieren. „Die Maskenpflicht bleibt im ganzen Haus bestehen.“ Ausnahmen von der 2G-Regel gelten nach Senatsangaben auch für Menschen, die nachgewiesenermaßen aus medizinischen Gründen nicht geimpft werden können.
In Kinos und Theatern musste bisher ein 3G-Nachweis erbracht werden. Der Intendant des Berliner Ensembles, Oliver Reese, hält die schärfere Regel für richtig. „Ich halte es genauso wie der überwältigende Großteil meiner Kollegen für richtig“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. „Der Erfahrung nach sind über 95 Prozent des Publikums sowieso bereits geimpft oder genesen. Es sind nur noch sehr wenige Zuschauer, die am Abend mit einem Test kommen.“
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