„Selbst wenn die Pandemie zu Ende ist, werden uns die sozialen und wirtschaftlichen Auswirkungen viel länger beschäftigen, als der unmittelbare akute Krisenfall, der jetzt eine stärkere Verschuldung der öffentlichen Hand ermöglicht“, sagte der Linke-Politiker der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. „Deswegen kommt das dicke Ende hinterher.“
Lederer, von Januar an auch Vorsitzender der Kulturministerkonferenz der Länder, geht von Abwehrkämpfen bei der Frage über die Kosten der Pandemie aus. „Es wird Auseinandersetzungen geben um die knapper werdenden Haushaltsmittel.“ Gleichzeitig warnte der Politiker: „Man wird über keine stärkere Resilienz im Kulturbetrieb reden, wenn am Anfang Vorgaben für Abbau oder Kürzungen stehen. Dann ist die Debatte beendet.“ Lederer plädierte für eine umfassende Diskussion. „Etwa um die Frage, ob es mal eine beherzte Besteuerung großer Vermögen geben wird. Oder eine ernstzunehmende Erbschaftssteuer.“ Solche Fragen müsse die Gesellschaft diskutieren.

„Sozialer Schock“ für Soloselbstständige in der Kultur

„Die Pandemie zeigt, dass in einer solchen Situation Freiberufler und Selbstständige im Grunde sozial völlig schutzlos dastehen“, sagte Lederer. Für viele Soloselbstständige in der Kultur sei das, was sie gerade erlebten, eine absoluter sozialer Schock. „Das wirft existenzielle Fragen auf und wird vermutlich auch dazu führen, dass einzelne sich entscheiden, in einen anderen, sozial abgesicherten Bereich zu wechseln, wenn sie es können.“ Lederer befürchtet Folgen: „Das wird einhergehen mit einer Verarmung im Kultursektor, denn Kultur, Kunst und Künstler sind etwas Kollaboratives.“
Für den Linke-Politiker sind auch erste Ansätze für neue Konzepte gefährdet. „Wir haben in den vergangenen Jahren damit begonnen, verstärkt mit den Verbänden der freien Szene darüber zu reden, wie Förderstrukturen weg von projektbezogener hin zu struktureller Unterstützung umgebaut werden können.“ Das könne aber unter dem Vorzeichen des Abbaus nicht geleistet werden, „selbst wenn die institutionellen Kultureinrichtungen zunehmend verlässliche Kooperationsprojekte mit der freien Szene planen“.
Alternativen durch private Mittel sieht Lederer nicht. „Das Engagement privater Akteure ist durchaus wertzuschätzen, wenngleich es nicht immer so uneigennützig passiert, wie es den Eindruck macht.“ Zudem würden einige nicht mehr so viel Geld haben, sich Image zu erkaufen. Kulturförderung diene einer freien Kunst auch jenseits von Kunstmarkt oder Industriesponsoring. „Dafür ist und bleibt öffentliche Förderung unverzichtbar.“
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