Berlins Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci hält schärfere Corona-Maßnahmen für dringend erforderlich. „Ich denke, hier muss man auf die Wissenschaft hören. Und da sind die Appelle sehr eindeutig. Und die Zahlen in Berlin zeigen auch, dass der Lockdown light leider mehr light war als Lockdown“, sagte die SPD-Politikerin am Mittwoch im Interview mit Radio eins des RBB. „Die Zahlen sind zwar leicht heruntergegangen, aber nach wie vor auf einem sehr hohen Niveau. Ja, deswegen brauchen wir weitere Einschränkungen“, so die Senatorin.

„Stay at home“ wieder als Motto

„Am Ende geht es wirklich darum, dass die Menschen ihre Kontakte beschränken. Das ist mit dem Lockdown light nicht gelungen“, sagte Kalayci. „Wir müssen das Motto "stay at home" wieder rausholen aus der Kiste. Und das muss wieder zum Grundprinzip werden - gerade über Weihnachten und Silvester.“
Kalayci sprach sich dafür aus, so schnell wie möglich über Verschärfungen der Maßnahmen zu entscheiden. „Ich denke mal, dass wir nächsten Dienstag auch im Senat darüber beraten und auch Beschlüsse fassen werden.“ Auch Kultursenator Klaus Lederer (Linke) sagte am Mittwoch, er rechne mit einem Beschluss bei der Sitzung am Dienstag.

Arbeitgeber sollen Betriebsferien machen

Nach Kalaycis Einschätzung ist der Ausblick Richtung Weihnachten und Neujahr entscheidend. Es gebe dabei sowohl Chancen als auch Risiken. „Chancen deshalb, weil zwischen Weihnachten und Neujahr ja auch eine gewisse Entschleunigung möglich ist“, sagte Kalayci. „Da ist der Appell an die Betriebe, an die Arbeitgeber, Betriebsferien zu machen, möglichst eben viel, dort, wo es natürlich geht, Homeoffice zu machen.“ Risiken gebe es etwa wegen der Weihnachtsfeiern. „Das ist was Geselliges, da kommen Familien zusammen.“ Berlin sei auch berühmt für seine Silvesterpartys. In diesem Jahr müssten vor allem die Partys auf der Straße vermieden werden.

Intensivstationen haben ihre Grenzen

Berlins Kultursenator und Bürgermeister Klaus Lederer (Linke) rechnet fest mit schnellen Verschärfungen der Corona-Maßnahmen in der Hauptstadt. „Ich bin sicher, es wird schärfere Maßnahmen geben, wir sind im Senat dazu auch in der Kommunikation, und nächsten Dienstag gehe ich davon aus, werden wir sie beschließen“, sagte Lederer am Mittwoch bei einer Pressekonferenz seiner Partei in Berlin. Der Linke-Landesvorstand hatte den 46-Jährigen am Dienstagabend als Spitzenkandidaten für die Wahl zum Abgeordnetenhaus 2021 nominiert.
Es sei wichtig, im Schulbereich und im Einzelhandel die Möglichkeiten zu nutzen, stärker runterzufahren, sagte Lederer. „Ich mache kein Geheimnis daraus, dass mich der Anstieg der Zahlen bundesweit enorm beunruhigt, dass ich mit großem Respekt auf das blicke, was in den Intensivstationen derzeit geleistet wird, aber auch weiß, dass das an Grenzen gerät.“ Das Personal dort arbeite seit neun Monaten unter hoher Belastung.
„Und deswegen glaube ich, wir haben dringend die Notwendigkeit, darüber nachzudenken, was wir machen, um die Zahlen wirklich deutlich abzusenken“, so der Linke-Politiker. „Und mich beruhigt überhaupt nicht, dass wir in Berlin anders als in anderen Städten auf einem halbwegs stabilen Sockel sind, denn das Niveau ist extrem hoch. Man muss nicht viel Fantasie haben, dass das in den nächsten Tagen wieder hochgehen wird, wenn wir nichts tun.“
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