An Berliner Vivantes-Kliniken ist inzwischen bei 24 Personen die erstmals in Großbritannien entdeckte Variante des Coronavirus nachgewiesen worden. 22 Fälle - und damit die meisten - sind am Humboldt-Klinikum bekannt. Darüber hinaus seien am Spandauer Vivantes-Klinikum zwei weitere Personen betroffen, sagte der geschäftsführende Direktor des Vivantes Humboldt-Klinikums Jürgen Kirschbaum am Montag. Auch die Charité meldete am Montagnachmittag einen weiteren Fall.

Zwei Menschen außerhalb der Kliniken infiziert

Außerdem wurde die Mutation inzwischen auch bei zwei Menschen außerhalb von Kliniken nachgewiesen, ergänzte der Reinickendorfer Gesundheitsamtsleiter Patrick Larscheid. Er warnte jedoch vor einer Dramatisierung der Situation.
Wie die Lage am Humboldt-Klinikum genau aussieht, ist noch unklar. Rund 1100 der 1700 Mitarbeiter und etwa 450 Patienten wurden getestet, doch es liegen noch nicht alle Ergebnisse vor. Laut Vivantes werden in allen Kliniken positive Covid-Befunde nun auch auf die Mutation untersucht.

Eine Person an der Charité angesteckt

An der Charité wurde inzwischen eine Person in der Notaufnahme positiv auf die Variante getestet, teilte ein Sprecher am Montag mit. Der Patient liegt jetzt auf der Covid-19-Normalstation. Bereits in der vergangenen Woche war eine Probe, die in einer ambulanten Charité-Untersuchungsstelle entnommen wurde, positiv auf die zunächst in Großbritannien entdeckte Variante getestet worden. Der infizierte Mensch sei nicht in stationärer Behandlung gewesen und nun in häuslicher Quarantäne.

Berliner Mutations-Ausbruch zur Zeit noch begrenzt

Er gehe aber davon aus, dass es sich um ein Geschehen handele, dass sich im Humboldt-Klinikum abspiele, sagte Larscheid. „Das ist eine prinzipiell gute Nachricht, weil sie bedeutet: Es ist nicht so, dass hier stadtweit überall Hotspots sind“, so der Amtsleiter. Nicht die ganze Stadt habe ein Problem. „Das, was wir nachweisen, ist erfreulicherweise zur Zeit begrenzt“, betonte er.
Der Virus-Typ B.1.1.7 war bisher vor allem in Großbritannien aufgetreten. Die Variante ist Experten zufolge leichter übertragbar und womöglich auch tödlicher als die bislang vorherrschende. Im Zuge verstärkter Untersuchungen im Hinblick auf die befürchtete Ausbreitung von Corona-Varianten auch hierzulande waren Mitte vergangener Woche in der Vivantes Humboldt-Klinik Nachweise von B.1.1.7 bekannt geworden. Es wurde für das Krankenhaus ein Aufnahmestopp verhängt. Die Mitarbeiter stehen unter sogenannter Pendelquarantäne. Sie dürfen nur zwischen ihrem Zuhause und der Klinik unterwegs sein.

Bundesregierung alarmiert

Der Virus-Typ B.1.1.7 ist bereits mehrfach in Deutschland aufgetreten. Die Bundesregierung zeigte sich am Montag in hohem Maße alarmiert von der Ausbreitung der Corona-Mutation in Deutschland. „Wir haben im Hintergrund die dunkle Wolke einer sehr ernsthaften Gefahr“, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Kanzleramtschef Helge Braun (CDU) hatte am Sonntag in der ARD-Sendung „Anne Will“ gesagt, dass die Mutante auch in Deutschland „die Führung übernehmen“ werde.
Seibert sagte: „Jetzt sind wir in einer sehr schwierigen Situation.“ Es gebe zwar ein erfreuliches Sinken der Infektionszahlen und der Zahl der Covid-Intensivpatienten. So meldeten die Gesundheitsämter dem Robert Koch-Institut (RKI) nun 6729 Corona-Neuinfektionen binnen eines Tages. „Das sind erste Erfolge für uns alle in dieser zweiten Welle“, sagte Seibert.
„Gleichzeitig haben wir die große und sehr reale Gefahr, dass sich die Virusmutante auch bei uns wie in anderen Ländern immer weiter durchsetzt und dass die Zahlen wieder stark in die Höhe getrieben werden könnten.“ Man müsse damit rechnen, dass Deutschland der weiteren Ausbreitung der Mutante nicht entgehen werde.
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