Ein Kamerateam ist während einer Live-Übertragung für einen Fernsehsender am Bundeskanzleramt in Berlin von mehreren Männern bedrängt worden. Die Polizei nahm drei Männer am Montagabend vorläufig fest und leitete Ermittlungen wegen des Verdachts der Nötigung und Verstößen gegen die Infektionsregeln ein, wie am Dienstag mitgeteilt wurde. Nach Medienberichten soll es sich um Männer aus der rechtslastigen Szene der Kritiker der Corona-Einschränkungen gehandelt haben. Die Bundesregierung verurteilte die Behinderung scharf.
Regierungssprecher Steffen Seibert sagte: „Freie Berichterstattung, Freiheit des Rundfunks und der Presse, das sind in Deutschland grundgesetzlich garantierte Werte.“ Er fügte hinzu: „Und wer Journalisten angreift, um sie genau in diesen grundgesetzlichen Rechten, die sie haben, zu beeinträchtigen, der stellt sich damit klar außerhalb unseres Rechtsstaats.“

Journalist von „Welt“ bedrängt

Nach Angaben der Polizei alarmierten Wachleute, die das Kamerateam des Senders „Welt“ begleiteten, gegen 19.30 Uhr die Polizei. Zwei 39-jährige und ein 34-jähriger Mann sollen demnach erst die beiden Wachleute abgelenkt und dann den 58-jährigen Journalisten des Senders bedrängt haben, um die Live-Übertragung zu stören. Einer der Männer soll sehr nah an den Journalisten herangetreten sein und versucht haben, das Mikrofon zu ergreifen.

Live-Übertragung immer wieder gestört

Zwei der drei Männer sollen schon zuvor mehrfach bei Live-Übertragungen gestört und vor der laufenden Kamera Diskussionen begonnen haben. Im Internet finden sich entsprechende Videos, die von verschiedenen Gruppen eingestellt wurden.
Der Sender „Welt“ bestätigte den Vorfall und nannte die Zahl von fünf Störern. Eine „Welt“-Sprecherin teilte mit, einem der Störer sei es gelungen, ohne Maske und Sicherheitsabstand neben dem Reporter ins Bild zu kommen, woraufhin dieser die Übertragung abgebrochen habe.
Einen vergleichbaren Vorfall habe es bereits Anfang April vor einem Berliner Impfzentrum gegeben, sagte die Sprecherin. „Diese Aktionen sind sowohl Angriffe auf die Pressefreiheit als auch auf die Gesundheit und Sicherheit unserer Journalisten. Wir werden es nicht hinnehmen, dass unsere Berichterstattung in solcher Weise behindert wird.“
Regierungssprecher Seibert betonte: „Journalismus muss in Deutschland ohne Angst ausgeübt werden können. Presseberichterstattung darf nicht erschwert und nicht unmöglich gemacht werden.“ Derartige Angriffe seien nicht zu tolerieren. Es sei gut, dass die Polizei die Urheber schnell gestellt habe.