Berliner Elternvertreter sehen die Forderung nach einer Ausweitung der Arbeit im Homeoffice kritisch. „Homeoffice bedeutet, ich kann keinen normalen Arbeitstag machen, wenn ich gleichzeitig Kinder betreuen muss. Das funktioniert nicht“, sagte die Vorsitzende des Landeselternausschusses Kindertagesstätten, Corinna Balkow, am Freitag.
Im Homeoffice zu arbeiten, sei angesichts der Pandemielage zwar eine sinnvolle Maßnahme, um Wege einzusparen und Kontakte einzuschränken. Viele Eltern, gerade in beengten Wohnverhältnissen, stelle das aber vor große Probleme. „Homeoffice und Kinderbetreuung ist nicht mit 100 Prozent Arbeitsleistung möglich.“
Deshalb müsse vonseiten der Politik und der Arbeitgeber mehr auf die Bedürfnisse der Familien eingegangen werden, forderte Balkow. Sie schlug etwa zusätzliche Urlaubstage für Eltern vor. Das hätte den Vorteil, dass sie anders als im Fall der bereits vom Bundestag beschlossenen Verdoppelung der Kinderkrankentage pro Elternteil von 10 auf 20 keine Verdiensteinbußen hinnehmen müssten.

Notbetreuung ist eine Alternative

Zur Diskussion, ob zu viele Berliner Eltern die Kitas in Anspruch nehmen, obwohl die derzeit nur auf Notbetreuung eingestellt sind, sagte die Elternausschuss-Vorsitzende: „Wir sehen viele Eltern, die versuchen, ihre Kinder zu Hause zu betreuen und ganz viele, bei denen das nicht geht und bei denen es völlig berechtigt ist, dass sie das Kind in die Kita bringen.“
Die Situation in den Berliner Kitas sei allerdings sehr unterschiedlich. „Es gibt durchaus Kitas, die unter 30 Prozent Betreuungsquote liegen“, berichtete Balkow. „Einzelne Kitas laufen sicher voll.“ Sie beobachte aber auch, dass Eltern sehr vorsichtig seien und Betreungsleistungen zum Teil nicht vollständig in Anspruch nähmen. Einige Eltern könnten mit einer Einschränkung der Betreuungszeiten leben, vor allem wenn es im Ausgleich Urlaub oder zum Beispiel einen Kindergeldbonus gebe. „Dann würden weniger Kinder jeden Tag in die Kitas kommen.“
Bund und Länder wollen am Dienstag über mögliche weitere Verschärfungen von Corona-Beschränkungen beraten. Dazu gehört nach Angaben des Regierungssprechers unter anderem eine Ausweitung der Arbeit im Homeoffice.
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