Abiturienten sollen durch die Corona-Pandemie keine Nachteile haben, versicherte Bildungssenatorin Sandra Scheeres am Donnerstag. Aber wie lässt sich das am besten erreichen, wenn seit Wochen schon kein regulärer Unterricht mehr in den Schulen stattfindet? Die Bildungsgewerkschaft GEW in Berlin hat sich dafür ausgesprochen, dass das Abitur in diesem Schuljahr notfalls auch ohne Prüfungen abgelegt werden kann. „In Zeiten der Corona-Pandemie müssen auch für das Abitur besondere Regelungen gelten“, forderte der Vorsitzende der GEW Berlin, Tom Erdmann, am Donnerstag.

Vorleistungen reichen aus

„Vorleistungen, die bereits erbracht worden sind und die ohnehin den größten Teil der Note ausmachen, reichen als Bewertungsgrundlage für die Abiturnote aus.“ Voraussetzung sei die bundesweite Anerkennung der Abschlüsse, so die GEW.
Die Kultusminister der Länder vereinbarten bei einer Schaltkonferenz am Donnerstag, dass auch die in diesem Corona-Schuljahr erworbenen Abschlüsse „denen früherer und späterer Jahrgänge gleichwertig sind und gegenseitig anerkannt werden“. In dem gemeinsamen Beschluss wird bekräftigt, dass die Abiturprüfungen stattfinden sollen.
„Mir ist Wichtig ist, dass unsere Abiturientinnen und Abiturienten auch in diesem Jahr ein anerkanntes Abitur machen, also dass sie die Möglichkeit haben, überall in Deutschland und im Ausland zu studieren“, sagte Scheeres am Donnerstag im Schulausschuss kurz nach der Schalte der Kultusminister der Länder.

Weniger Prüfungen und Verschiebungen möglich

Der KMK sei wichtig, beim Abitur Erleichterungen vorzunehmen und mehr Flexibilität zu ermöglichen. Scheeres nannte das Verschieben von Prüfungsterminen, um mehr Lernzeit zu gewinnen und das Verringern der Klausurenzahl. Außerdem soll eine höhere Anzahl von Prüfungsaufgaben zur Auswahl gestellt werden. „Wir werden alles ausschöpfen, was wir ausschöpfen können, um mehr Lernzeit zu ermöglichen“, versicherte Scheeres.
„Wir sind natürlich auch in ganz engen Abstimmungen mit Brandenburg“, sagte Scheeres. Denn einerseits gebe es beim Abitur die Pool-Aufgaben des Bundes. „Aber wir sind auch seit vielen Jahren in einem Zentralabitur mit Brandenburg und entwickeln auch gemeinsame Aufgaben“, so die Senatorin.
Schon im vergangenen Jahr hatte es über die Frage, ob die Abitur- und andere Prüfungen in den Schulen angesichts der Corona-Krise wie geplant stattfinden sollten, in Berlin eine lange Diskussion gegeben.

Viel Kritik von GEW

Überlegungen zu einer Verlegung der Prüfungen in die Ferien kann die GEW nichts abgewinnen. „Eine Verlängerung des Schuljahres in die Sommerferien hinein lehnen wir ab“, sagte Erdmann. Das ginge zu Lasten der Schülerinnen und Schüler und der Beschäftigten. „Die Arbeitsbelastung ist in den vergangenen Corona-Monaten schon über der Schmerzgrenze“, kritisierte der Berliner GEW-Vorsitzende. „In den letzten neun Monaten haben die Lehrkräfte praktisch durchgearbeitet.“
Die GEW verlangte, die Berliner Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) solle sich gemeinsam mit den Beschäftigtenvertretungen an einen Tisch zu setzen, um über einen Umgang mit der Corona-Krise ins Gespräch zu kommen.
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