Berlins Schulen sind nach Einschätzung der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) nur unzureichend auf die Schließung am Mittwoch und die Umstellung auf häusliches Lernen vorbereitet.
Die technische und personelle Ausstattung sei kaum besser als beim ersten pandemiebedingten Lockdown im März, sagte der GEW-Landesvorsitzende Tom Erdmann am Montag der Deutschen Presse-Agentur. Es gebe keine einheitliche Plattform für das Lernen von zu Hause aus, noch immer hätten nicht alle Schulen schnelles Internet und Lehrkräfte keine dienstliche Mailadresse.
„Da ist eine Menge verschlafen worden“, sagte Erdmann mit Blick auf die Bildungsverwaltung. „Wie im Frühjahr hängt auch dieses Mal viel vom individuellen Engagement und der Kreativität der Lehrerinnen und Lehrer ab.“ Klare Vorgaben der Bildungsverwaltung fehlten.
Hingegen sieht die Vorsitzende der Vereinigung der Schulleiter von integrierten Sekundarschulen (ISS), Miriam Pech, Schulen und Lehrer besser gewappnet. „Alle Schulen haben Konzepte und sind vorbereitet“, sagte sie der dpa. „Dem Start in das angeleitete schulische Lernen steht nichts entgegen.“
Im Zuge des bundesweiten Lockdowns, der zunächst bis 10. Januar andauern soll, schließen die Schulen am Mittwoch. Bis zum Freitag (18. Dezember) sowie nach den Ferien in der Woche vom 4. bis 8. Januar sollen die Schüler zu Hause lernen - angeleitet von den Lehrern, die an diesen Tagen trotz Schulschließung im Dienst sind. Dabei sollen digitale Lernformen zum Tragen kommen. Eine Notbetreuung in der Primarstufe - also für jüngere Schüler - soll im Hortbereich angeboten werden.
Pech leitet die Heinz-Brandt-Schule in Berlin-Weißensee. Dort haben Lehrer im Homeoffice feste Präsenzzeiten für den Online-Unterricht, schilderte sie. Es gibt einen Stundenplan etwa für Deutsch, Mathematik, Englisch oder naturwissenschaftliche Fächer. Hinzu kommen zum Beispiel Zeiten für Teambesprechungen, Coaching oder freies Lernen.
Die technische Ausstattung der Schüler sei „nicht hundertprozentig zufriedenstellend“, sagte Pech. Etliche nutzten ihr Handy statt ein Tablet-Gerät, was auf Dauer schwierig sei. Die Bildungsverwaltung hatte jüngst angekündigt, für sozial benachteiligte Schüler weitere 41.500 Tablets zu beschaffen und Lehrer mit Laptops auszustatten. 9500 Schüler erhielten bereits vor den Sommerferien Tablet-Rechner.
Für die kommende Zeit in der Pandemie wünscht sich Pech von der Politik eine eher langfristige Strategie für die Schulen. Die zuletzt immer wieder getroffenen neuen Entscheidungen in kurzen Abständen seien für Lehrkräfte wie Schüler „zermürbend“.
Erdmann mahnte ein Konzept für die Zeit nach dem Lockdown an. „Die große Herausforderung wird sein, wie wir den Betrieb dann wieder hochfahren.“ Der GEW-Chef forderte Wechselunterricht in kleinen Gruppen, bei dem Schüler mal in der Schule und mal zu Hause lernen. Gleichzeitig riet er, schon jetzt an die Abschlussprüfungen etwa für das Abitur zu denken, um deren Ablauf in den Schulen es im Frühjahr viel Streit gab.