Unter dem wachsenden Einfluss der ansteckenderen Delta-Variante des Coronavirus ist die Sieben-Tage-Inzidenz in Berlin deutlich gestiegen. Sie ist nun erstmals seit rund einem Monat wieder zweistellig. Nachdem das Robert Koch-Institut (RKI) am Montag noch 7,3 Ansteckungen pro 100 000 Einwohner binnen sieben Tagen ausgewiesen hatte, sind es am Donnerstag bereits 11,6. Im Vergleich zum Donnerstag der Vorwoche hat sich die Sieben-Tage-Inzidenz damit beinahe verdoppelt. Wie auch bundesweit sind laut Lagebericht des Senats derzeit vor allem junge Erwachsene betroffen, die im Vergleich zu Senioren ein geringeres Risiko für schwere Verläufe haben.

Auslastung der Intensivbetten weiterhin auf niedrigem Niveau

Auf die Krankenhäuser in der Hauptstadt hat der jüngste Fallzahlenanstieg daher bisher im Lagebericht keinen erkennbaren Einfluss. Die Auslastung der Intensivbetten mit Covid-19-Fällen ist mit 3,7 Prozent weiter sehr niedrig. Jedoch vergeht zwischen Infektion und Krankenhausbehandlung einige Zeit. Das RKI berichtet zur Lage bundesweit von einem erhöhten Anteil an Krankenhausbehandlungen bei Delta-Infizierten zwischen 15 und 59 Jahren - verglichen mit gleichaltrigen Alpha-Infizierten.
Im Vergleich zum Vortag wurden laut RKI-Daten von Donnerstag 146 Neuinfektionen gemeldet, drei Todesfälle kamen hinzu. Noch einmal wesentlich höher als im Berliner Schnitt liegt die Sieben-Tage-Inzidenz mit 20,3 im Bezirk Mitte. Am geringsten ist der Wert in Marzahn-Hellersdorf: mit 3.

RKI: Delta-Variante in Deutschland auf 76 Prozent gewachsen

Der Großteil der Ansteckungen in Berlin ist von der in Indien entdeckten Delta-Variante ausgelöst worden. Der Anteil dieser Mutante ist weiter gewachsen, wie der RKI-Virusvariantenbericht vom Mittwochabend zeigt. Er lag demnach vergangene Woche bei 76 Prozent. Die bis dahin vorherrschende Alpha-Variante hat derweil rapide an Bedeutung verloren.
Seit Beginn der Pandemie steckten sich in Berlin laut Statistik 180 885 Menschen nachweislich an. Die meisten gelten als genesen. 3568 Menschen starben in Zusammenhang mit dem Coronavirus.
Die in Indien entdeckte Delta-Variante gilt als deutlich ansteckender als bisherige Formen des Virus. In mehreren anderen Ländern hat sie die Infektionszahlen massiv steigen lassen. In Deutschland steigt die Sieben-Tage-Inzidenz seit Tagen wieder leicht an.

Impfung schützt vor schweren Krankheitsverlaufen auch bei Delta-Variante

Laborexperimente deuten laut RKI darauf hin, dass vollständig Geimpfte auch bei Delta einen hohen Schutz vor schweren Krankheitsverläufen haben. Dem trägt das RKI auch in seiner Risikobewertung Rechnung: Für vollständig Geimpfte wird die Gefährdung für die Gesundheit als moderat eingeschätzt - für nicht oder unvollständig Geimpfte sei sie hoch.
Als vollständig geimpft sind im Lagebericht des Senats 43,1 Prozent der Berliner ausgewiesen. Mindestens einmal geimpft sind 58 Prozent.
Expertinnen und Experten raten dazu, die Regeln zum Infektionsschutz wie das Tragen von Masken weiter einzuhalten. Auch wenn dank der Impfungen mit einer deutlich verringerten Zahl an schweren Verläufen gerechnet wird, gibt es immer noch viele Menschen, die sich (noch) nicht impfen lassen können - darunter Kinder unter 12 Jahren - oder bei denen die Impfung etwa wegen Vorerkrankungen nicht optimal wirkt. Hinzu kommen die Unwägbarkeiten rund um Langzeitfolgen der Infektion und die Gefahr weiterer Virusmutationen durch hohe Fallzahlen.
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