Für Alleinstehende, Alleinerziehende oder auch Eltern ohne Kontakt zu ihren Kindern haben Pastor Werner Nachtigal und seine Frau Birgitta Anfang der 1990er Jahre eine Weihnachtsgala ins Leben gerufen. Doch in diesem Jahr muss die Heiligabendgala in den Tegeler Seeterrassen ausfallen. „Wir sind alle traurig“, sagt Nachtigal. Statt der Gala planen er und sein Team in diesem Jahr einen Gottesdienst mit Livestream vor der Gedächtniskirche.
Mit dabei unter anderen: Samuel Koch, bekannt durch seinen Unfall 2010 bei „Wetten, dass..?“ und die erfolgreichen Youtube-Zwillinge Johannes und Phillip Mickenbecker. Letzterer ist unheilbar an Krebs erkrankt. „Wir werden viel Hoffnung ausstrahlen. Das ist zumindest ein kleiner Trost“, so Nachtigal.  

Gottesdienst vor dem Bahnhof

Der große Gottesdienst der Berliner Stadtmission an Heiligabend findet in diesem Jahr nicht im, sondern vor dem Hauptbahnhof statt. Das kündigte Sprecherin Barbara Breuer an. Für Menschen, die sich einsam fühlen oder die in Not sind, packen Ehrenamtliche der Stadtmission seit November wieder Nothilfepäckchen mit Lebensmitteln. Die werden laut Breuer zum Beispiel in Friedrichshain auch an Senioren zu Hause verteilt, verbunden mit einem Gespräch und natürlich mit Abstand. „Mittlerweile gehören einige Senioren selbst zu den Multiplikatoren und besuchen andere“, so Breuer. Auch zu Weihnachten soll es Besuche geben.  

Freunde alter Menschen

Normalerweise vermittelt der Verein „Freunde alter Menschen“ Besuchspartnerschaften zwischen Jungen und Alten. Etwa 150 solcher Patenschaften gibt es laut Sprecherin Anna Kamieth in der Hauptstadt. Die traditionellen Weihnachtsfeiern an den Berliner Standorten in Kreuzberg, Mariendorf, Reinickendorf und Wedding fallen dieses Jahr wegen der Corona-Pandemie aus.
„Wir machen aber trotzdem alles möglich, damit niemand allein sein muss“, verspricht Kamieth. Geplant seien zum Beispiel Besuche der Freiwilligen bei alten Menschen. In Tempelhof und Mariendorf werde auch ein Engel von Tür zu Tür gehen, so Kamieth. Und zum Teil können die älteren ihre jüngeren Freunde auch zu Hause besuchen. 

Nähe am Telefon

Bei der Senioren-Hotline des Vereins Silbernetz häufen sich laut Leiterin Celeste Copes schon jetzt die Anrufe von einsamen Menschen. Von Heiligabend, 8.00 Uhr, ist die Telefonhotline 0800 4708090 bis zum 1. Januar, 22.00 Uhr durchgehend erreichbar. Die Organisatoren hoffen, Nähe trotz räumlicher Distanz zu schaffen. Wer sich einsam fühlt, kann auch die Telefonseelsorge unter der Nummer 0800 111 0 111 rund um die Uhr anrufen. Der Berliner Krisendienst hilft bei psychosozialen Krisen bis hin zu akuten seelischen und psychiatrischen Notsituationen. 

Auf die Mitmenschen achten

„Wir sollten jetzt auf unsere Mitmenschen Acht geben, die in den nächsten Wochen vielleicht unter Einsamkeit und sozialer Isolation leiden werden“, sagt Psychotherapeutin Ulrike Lüken von der Berliner Humboldt-Universität. Sie empfiehlt, die Nachbarn zu fragen, wie es ihnen geht, Unterstützung anzubieten oder sie zu einem gemeinsamen Weihnachtsspaziergang einzuladen. Lüken und Kollegen bieten für Menschen mit psychischen Corona-Belastungen ein Beratungsprogramm an, damit sie mit Stress in Krisen besser umgehen lernen und ihr Wohlbefinden stärken.  
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