Ihre Gaben hängen die Berliner deshalb nun unter anderem an Zäune. 47 sogenannter Gabenzäune gibt es mittlerweile in der Stadt. "Lieber Mensch, ohne Zuhause bitte nimm dir, was du dringend brauchst", fordert ein Schild an der Friedrichstraße, südlich des U-Bahnhofs Kochstraße, auf. Kiezbewohner haben Handschuhe, Obst und Kekse in Plastiktüten und Stoffbeutel gepackt. Daneben hängt eine Liste, wie man die Tüten bestücken kann: Obst, Müsliriegel, Sandwiches, Getränke, Schokolade, also nur Sachen, die man ohne Küche verwerten kann. Gebraucht werden in diesen kalten Tagen zudem warme Kleidung sowie Hygieneartikel. Aber auch "Hundefutter"-Tüten werden gerne genommen. "Solidarität und Nächstenliebe sind so wichtig wie nie", schreibt die Initiative "Gabenzaun" dazu.

Unterbringung im Hotel

Nothilfepäckchen erhalten Obdachlose derzeit unter anderem an der Citystation, einem alkoholfreien Restaurant der Berliner Stadtmission in der Nähe des Ku’damms. Seit 1975 gibt es dort Gastlichkeit und preiswertes Essen. Menschen mit und ohne Wohnung können normalerweise dort neben einer warmen Mahlzeit auch soziale Beratung erhalten, sich ausruhen, duschen, die zerschlissenen Kleider wechseln, aber auch einfach nur reden. Nun ist die Citystation wie viele andere ähnliche Hilfseinrichtungen aufgrund der befürchteten Ansteckungsgefahr tagsüber geschlossen, der Betrieb wurde vielerorts umorganisiert. So werden nun jeden Abend von 19 bis 21.30 Uhr Päckchen mit geschmierte Stullen, Süßigkeiten und Trinkjoghurts ausgegeben.
Das Nachtcafé der Berliner Stadtmission musste ebenfalls schließen. Sonst konnten dort in kalten Nächten bis zu 30 Männer und Frauen  in zwei Räumen übernachten.  Die Berliner Kältehilfe fand aber am Mittwoch gemeinsam mit dem Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf eine schnelle unbürokratische Lösung.  18 der Café-Übernachtungsgäste wurden in Hostels und Pensionen von Karlshorst über Schöneweide bis nach Tempelhof und Charlottenburg untergebracht. "Sogar ein barrierearmes Zimmer konnte für einen Gast mit Behinderung gefunden werden", freut sich Kirsten Grobe-Prieß vom Sozialdienst für Erwerbsfähige und Soziale Wohnhilfen "Ich hoffe, dass viele andere Bezirksämter diesem Beispiel folgen."
Als weitere Stütze in diesen schweren Zeiten steuert seit Mittwoch der "Rosinenbrummi", ein umgenutzter BVG-Bus, Obdachlose in ganz Berlin an. Helfer verteilen Lebensmittelpakete von 20 Berliner Super-Märkten, Getränke und etwas Bargeld. Zudem ist geplant, demnächst rund 2000 Obdachlose mit gespendeten Smartphones und SIM-Karten auszustatten, damit sie die Möglichkeit haben, eine extra eingerichtete Hotline anzurufen und mit Nachrichten zur Corona-Pandemie versorgt werden können.
Karuna-Hotline für Obdachlose0157 80597870

Wie kann ich helfen?

Weil typische Geldeinnahmequellen wie Flaschensammeln oder Zeitungen verkaufen gerade nicht funktionieren, zahlt die Sozialgenossenschaft Karuna 10 Euro pro Tag an obdachlose Personen aus.Das Geld wird von Teams der "Karuna Task-Force" und Helfern der Initiative "One Warm Winter" verteilt. Die Teams bringen Essen und nehmen die Daten obdachloser Menschen auf, um sie für weitere Hilfen kontaktieren zu können. Wer spenden will, ruft  www.betterplace.org auf und gibt die Sucheingabe "Straßenspende für Obdachlose während Corona" ein.

Eine Karte mit bundesweiten Gabenzäunen und Tipps, um einen Zaun aufzumachen, findet man unter: www.gabenzaun.de neu