Seit 2014 arbeitet die Psychologin nun schon ehrenamtlich bei der in Berlin gegründeten Onlineberatung von Jugendnotmail. Per E-Mail können Kinder und Jugendliche dort ihre Sorgen professionellen Beraterinnern und Beratern anvertrauen – kostenlos und dank Nickname vertraulich.
Um junge Menschen auch in der aktuellen Situation niedrigschwellig unterstützen zu können, wurde das Beratungsangebot ausgeweitet. In Kooperation mit der von der Caritas betriebenen Suizidprävention [U25] ging Anfang Mai die Onlineberatung "#gemeinsamstatteinsam" an den Start. Vorerst befristet bis Jahresende können sich junge Menschen über die Seiten von Jugendnotmail beziehungsweise [U25] registrieren.
Der Impuls zu dem Angebot sei vom Bundesfamilienministerium ausgegangen, sagt Caroline Schaminet von Jugendnotmail. Ziel sei eine themenoffene Onlineberatung gewesen, um Ratsuchende von zwölf bis 26 Jahren abzuholen und einen möglichen höheren Bedarf während der Corona-Krise abzudecken. "Und dabei kam die Idee, es gemeinsam anzubieten." Während [U25] für die 20- bis 26-Jährigen zuständig ist, liegt der Beratungsfokus von Jugendnotmail auf den bis 19-Jährigen.
Dass ein erhöhter Bedarf vorhanden ist, das legt nicht zuletzt ein Blick auf die Zahl der Neuanmeldungen nahe. Im Vergleich zu vorangegangenen Wochen verzeichnete Jugendnotmail im April 40 Prozent mehr davon. Auch die Möglichkeit der Einzelberatung wurde von den Jugendlichen verstärkt in Anspruch genommen, ebenfalls 40 Prozent mehr als noch in den Monaten Februar und März. "In der 16. Kalenderwoche waren es allein 122 Neuanmeldungen", sagt Kathrin Weitzel nach einem Blick in ihre Unterlagen.  "Und das ist einiges."
In der Corona-Krise habe sich vieles verschärft, was vorher bereits an Problematiken angelegt war, weiß die Psychologin zu berichten. Um die Corona-Themen besser einordnen und einschätzen zu können, sei deshalb eine stichprobenartige Auswertung von 100 seit Mitte März erfolgter Beratungen vorgenommen worden. Grob unterteilt zeigten sich vier Schwerpunkte: Konflikte und Aggressionen in den Familien, Ängste und Unsicherheiten, eine Zunahme psychiatrischer Symp­tomatiken sowie Einsamkeit, zählt Weitzel auf.
Um den Bedarf zu decken, stehen den Kindern und Jugendlichen bei [U25] gut 50 Beraterinnen und Berater zur Seite. Bei Jugendnotmal sind es sogar dreimal so viele. Es sind Fachkräfte, die sich dort ehrenamtlich engagieren. Einige würden eine therapeutische Praxis betreiben, andere kämen aus dem Bereich der Sozialpädagogik oder seien bereits im Bereich der Jugendhilfe tätig, sagt Kathrin Weitzel, die im Hauptberuf ihr Geld als Gutachterin im Familienrecht verdient.
Bevor es an die Onlineberatung geht, muss zunächst ein eintägiger Workshop besucht werden. Im Anschluss findet zudem ein Erstcoaching statt. "Das bedeutet, dass wir die neuen Berater bei ihren ersten Beratungen engmaschig begleiten", schildert Weitzel, die selbst Coachings durchführt.

Experten über eigene Situation

Aufgabe sei es zum einen, ein offenes Ohr  zu haben und den Kindern und Jugendlichen zunächst einmal Entlastung zu bieten. Die Ratsuchenden sollen als Experten über ihre Situation anerkannt werden. "Auf der anderen Seite ist unser gesamtes Beratungskonzept darauf ausgelegt, dass wir versuchen, in kleinen Schritten die Situation der Jugendlichen zu verbessern."
Zwar seien die Herausforderungen, vor denen Kinder und Jugendliche im Moment stehen, immer auch individueller Natur, meint die langjährige Onlineberaterin Weitzel.  Allgemein gesprochen sei es in der Corona-Zeit aber wichtig, über die jetzige Situation hinaus zu denken und sich, wenn möglich, eine positive Perspektive zu bewahren. "Das ist eine Ausnahmesituation, die irgendwann vorüber sein wird."

Onlineberatungfür junge Menschen


Die themenoffene Mailberatung "#gemeinsamstatteinsam" richtet sich an Kinder und Jugendliche und möchte ihnen während der Corona-Zeit niedrigschwellige Unterstützung anbieten. [U25] steht mit seiner vertraulichen Online-Beratung jungen Menschen bis 26 Jahre zur Verfügung und kann unter www.u25-deutschland.de/helpmail-gemeinsamstatteinsam in Anspruch genommen werden. Das Angebot von Jugendnotmail steht allen bis 19-Jährigen zur Verfügung und ist unter www.jugendnotmail.de erreichbar. In beiden Fällen erfolgt die Beratung vertraulich und kostenlos. hem