Im 4-Stunden-Takt schwimmen
"Bei der Erstbewertung wurden uns 37 Plätze zugesagt", berichtet Schüller. Dem 36-Jährigen war klar, dass ein Überleben des Bades so nicht zu gewährleisten wäre. Während der Schließung haben sie jeden Tag 1000 Euro Minus gemacht, erzählt der Geschäftsführer. In der Vorbereitung der Wiedereröffnung der Bäder habe er bemerkt, dass in allen Bezirken andere Regelungen Anwendung fanden. Mit den Gesundheitsämtern Spandau und Treptow-Köpenick habe er schließlich eine neue Bewertung vereinbart, die zu einem anderen Ergebnis als die erste Bewertung kam: Ab heute dürfen 300 Personen das Bad besuchen. Natürlich gelten auch hier die Abstandsregeln. Von Mittwoch bis Sonntag öffnet das Bad von 10 bis 14 Uhr. "Dann muss das Bad geräumt und alles innerhalb einer Stunde desinfiziert werden", erklärt Schüller. Von 15 bis 19 Uhr wird dann das nächste Zeitfenster gestartet.
Während der Schließung habe man verschiedene Konzepte für den Einlass und Tickets verglichen und für einen Ticketverkauf am Einlass und gegen Online-Reservierungen entschieden. "Das schließt Altersgruppen aus, von denen ein Großteil unsere Stammgäste sind", erklärt der Geschäftsführer, der das Bad seit drei Jahren pachtet.
Mit 18 zog Schüller von Oranienburg nach Berlin. Nach Weißensee verschlug es ihn eher zufällig. Er war Filialleiter bei einer deutschen Supermarktkette gewesen, hatte das Unternehmen mit einer Abfindung verlassen und wollte sich eigentlich zunächst eine Pause gönnen. Doch dann ergab sich eine Stelle an der Bar im Strandbad. "Mit meinem ersten Arbeitstag ist mein Herz hiergeblieben", erzählt Schüller.
Vor drei Jahren stand das Bad dann vor der Insolvenz. Der damalige Insolvenzverwalter habe ihn gefragt, ob er das Bad nicht übernehmen wolle. "Ich habe eine Nacht wachgelegen und darüber nachgedacht", berichtet Schüller. Die Entscheidung habe aber eigentlich sofort festgestanden. 2017 übernahm er somit das Bad. Der Vorpächter habe in den zehn Jahren, die er es inne hatte, so gut wie nichts saniert, so Schüller. Das sei in den letzten drei Jahren anders gewesen. "Wir haben dem Objekt sukzessive den Glanz zurückgegeben, den es verdient", erzählt der Pächter nicht ohne Stolz. Das folgende Lob der Stammgäste und anderen Besucher, die sich über jegliche Umbaumaßnahmen gefreut hätten, bestätigte dies und sei eine Belohnung für ihn und das Team gewesen. Viele der regelmäßig Badenden kämen schließlich schon seit Jahren in das Bad an der Berliner Allee und hätten den Verfall mitbekommen.
Die Wiedereröffnung hat Alexander Schüller gesichert. Doch ein anderes Problem beschäftigt ihn nach wie vor: Der Weiße See trocknet seit Jahren aus. "52 Zentimeter fehlen für eine vernünftige Badequalität und für eine gesunde Natur am Ufer." Er setzt sich aktiv dafür ein, dass alle Behörden an einen Tisch kommen, um nach langfristigen Lösungen zu suchen. Ein neuer Brunnen, der vor Kurzem installiert wurde, darf nicht genutzt, sondern muss mit einem speziellen Filter erst einmal nachgerüstet werden. Die Wasserbetriebe hätten zwar letzte Woche Leitungen saniert und wollten 30 000 Kubikmeter Wasser einspeisen, doch es brauche eine langfristige Lösung, fordert Schüller.

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