Der Chef des Brandenburger Verfassungsschutzes, Jörg Müller, spricht von einer „chaotischen Anti-Corona-Mixtur“, die am Wochenende in Berlin demonstriert hat – bestehend aus bürgerlichen Gegnern der Corona-Maßnahmen, Esoterikern, Verschwörungstheoretikern und Rechtsextremisten.
Dieser Aufzug sei „ein bisschen wie die Love-Parade“ dahergekommen, sagte Müller der Zeitung „Die Welt“ (Donnerstag). „Vermutlich nahmen nicht wenige gerade deshalb daran teil.“ Wenn Corona überwunden sei, falle diese Mixtur schnell wieder auseinander. „Unsere politische Kultur nimmt aber Schaden.“
Müller sagte: „Natürlich sind das nicht alles Extremisten.“ Diese Bewegung ziehe sich durch die gesamte Gesellschaft, „vom Hochschulprofessor über die alleinerziehende Mutter zum Fußballfan. Sie bilden einen Querfront-Komplex gegen den demokratischen Staat und seine Entscheidungen.“ Allerdings seien Extremisten darunter und der organisierte Rechtsextremismus würde „die ganze Sache gerne steuernd übernehmen“.
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Gefährliche Verschwörungstheorien im Umlauf

Gefährlich seien auch bestimmte Verschwörungsmythen, sagte Müller weiter. „Wer finstere Mächte für alles verantwortlich macht und sich dabei beispielsweise an QAnon orientiert, bewegt sich mitten im Antisemitismus.“ Bei der QAnon-Bewegung würden mittelalterliche Mythen bedient. Es gehe um eine „uralte antisemitische Ritualmordlegende“, sagte Müller. „Das sind Geschichten, die vernünftige Menschen gar nicht glauben würden. Trotzdem gehen so viele mit einem "Q" auf ihren Pullovern auf diese Demonstrationen. (...) Wir reden hier nicht nur von hundert Verrückten.“ Möglicherweise müsse man dieses Phänomen „irgendwann als
verfassungsschutzrelevante Verschwörungsbestrebung bewerten“.