„Was wir jetzt schon in Neukölln erleben, sind nur die Vorboten von dem, was wir wahrscheinlich in allen Metropolen des Landes erleben werden. Neukölln ist der Sensor für das ganze Land“, sagte Nicolai Savaskan dem „Tagesspiegel“ (Donnerstag).
Er verglich die Situation in Neukölln mit einem Waldbrand: „Wir haben nicht mehr einen Brandherd, sondern multiple Glutnester - nicht Dutzende, sondern Hunderte.“ Bei 70 Prozent der Fälle sei der Infektionsherd nicht mehr zu finden. „Wir müssen davon ausgehen, dass wir seit Wochen ein asymptomatisches Infektionsgeschehen hatten, das im Verborgenen lief“, sagte Savaskan. In seinem Bezirk sei aber durchaus sehr proaktiv getestet worden, weshalb man vielleicht auch ein klareres Bild der Lage habe.

Amtsarzt fordert risikobasierte Corona-Pandemiebekämpfung

Der Amtsarzt sprach sich für eine risikobasierte Pandemiebekämpfung aus - „im Sinne des Schutzes aller vulnerablen Gruppen“. Das heiße, dass man empfehlen würde, „dass Risikogruppen gesondert den öffentlichen Raum betreten und mit Schutzausrüstung ausgestattet werden“. Auch eine neue Informationskampagne hält er für nötig: „Alle neuen Maßnahmen werden nur so erfolgreich sein, wie sie auch verstanden und, wichtiger noch, akzeptiert werden.“ Im Bezirk fange man teilweise bei Beratungen wieder bei Null an, weil etwa Quarantäne-Regeln nicht bekannt seien.

Über 500 Corona-Neuinfektionen in sieben Tagen in Neukölln

Nach Daten der Berliner Gesundheitsverwaltung wurden in Neukölln in den vergangenen sieben Tagen 571 Neuinfektionen erfasst. Das sind 173,1 pro 100.00 Einwohner - die als kritisch definierte Schwelle liegt bei 50. Auch im Vergleich mit Corona-Hotspots im ganzen Bundesgebiet ist Neukölln laut Robert Koch-Institut führend.
Mehr zu Corona und den Folgen in Brandenburg und Berlin gibt es auf unserer Themenseite.