Nach Verfügbarkeit eines Impfstoffes sollen in Berlin zunächst etwa 400.000 Menschen gegen das Coronavirus geimpft werden. Diese Größenordnung nannte Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) am Dienstag nach einer Senatssitzung. Welche Gruppen der Bevölkerung in dieser ersten Phase dran seien, stehe noch nicht fest und hänge von den Empfehlungen mehrerer Expertenkommissionen auf Bundesebene ab. Im Fokus seien unter anderem ältere Menschen - in Berlin lebten allein 390.000 über 75-Jährige - oder die rund 100.000 Beschäftigten in Krankenhäusern und Pflege, so Kalayci.

Testzentren entstehen bis Mitte Dezember

Geplant sei, bei Massenimpfungen in sechs großen Zentren täglich bis zu 20.000 Dosen zu verabreichen, erläuterte die Senatorin weiter. Diese Zentren entstehen bis Mitte Dezember in der Messehalle 11, in den ehemaligen Flughäfen Tegel (Terminal C) und Tempelhof (Hangar 4) sowie im Erika-Heß-Eisstadion in Mitte, im Velodrom in Pankow und in der Arena in Treptow-Köpenick. Es soll auch mobile Impfteams geben, um etwa Menschen mit Handicaps in Pflegeheimen zu erreichen.
Kalayci unterstrich, dass momentan noch kein Impfstoff vorliege und unklar sei, welche Mengen wann verfügbar seien. „Sowohl Umfang als auch Zeitpunkt sind nicht abschließend bekannt“, sagte sie. Berlin wolle sich aber vorbereiten auf eine „maximal mögliche Menge schon im Dezember“. Ob das realistisch sei oder ober es doch erst im neuen Jahr losgehe, werde sich zeigen. „Wir wissen es einfach nicht.“

Verabreichung innerhalb weniger Wochen in Testzentren

In einer ersten Charge werde Berlin vom Bund, der für die Beschaffung zuständig ist, im besten Fall 900.000 Impfdosen zweier Hersteller erhalten, erläuterte Kalayci - womöglich aber auch weniger. Die Stoffe müssten je nach Hersteller im Abstand von 21 beziehungsweise 28 Tagen zweimal gespritzt werden, um eine Immunisierung zu erreichen. Das solle innerhalb weniger Wochen in den Impfzentren passieren, was ein „Kraftakt“ sei.
Für die Vorhaltung eines der Impfstoffe der Firmen Biontech/Pfizer seien drei große „Ultratiefkühlschränke“ angeschafft worden, weil dieser bei minus 70 bis minus 80 Grad gelagert werden müsse. Auch Impfzubehör wie Spritzen, Kanülen und andere Materialien, auf die es weltweit einen Run gebe, habe Berlin frühzeitig beschafft.

Hilfe auch von der Bundeswehr geplant

Der Senatorin zufolge ist geplant, dass Hilfsorganisationen und gegebenenfalls auch die Bundeswehr dort bei der Registrierung und Betreuung der Menschen helfen. Die Impfung selbst sollen niedergelassene Ärzte übernehmen. Entsprechende Gespräche mit der Kassenärztlichen Vereinigung seien „fortgeschritten“, aber noch nicht beendet. Nach ihren Erkenntnissen gebe es eine hohe Bereitschaft der niedergelassenen Ärzte, hier zu unterstützen, sagte Kalayci. Nötig seien daneben auch medizinische Fachangestellte.
Wie genau die Impfkandidaten in die Zentren eingeladen werden, steht nach Auskunft Kalaycis noch nicht fest. Geplant sei, das sie angeschrieben werden und dann über einen Telefonservice als „bundeseinheitliches Modul“ einen Termin vereinbaren können. Allerdings sei unklar, ob und wann diese Lösung komme, sagte die Senatorin mit Blick auf den Bund. Aber die Zeit dränge. Berlin habe deshalb mehrer Varianten als Plan B, die aber alle nicht optimal seien. Dazu gehöre, den Betreffenden feste Termine vorzugeben.

Impfbereitschaft spielt tragende Rolle

In einer zweiten Phase sollen nach den Worten der Senatorin dann auch andere Bevölkerungsgruppen geimpft werden - auf freiwilliger Basis, wie Kalayci unterstrich. Das soll dann nicht mehr in den temporären Impfzentren, sondern im „Regelsystem“ passieren - also wie bei anderen Impfungen auch in Arztpraxen oder Apotheken.
„Die Impfbereitschaft wird eine relevante Größe sein“, sagte Kalayci. Um eine breite Immunität gegen Covid-19 in der Bevölkerung zu erreichen, müssten sich mindestens 70 Prozent impfen lassen. Daher sei es sicher hilfreich, wenn der Bund eine Impfkampagne starte, um die Menschen zu informieren.
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