Zum ersten Mal zeigt das Berliner Ampelsystem zur Bewertung der Corona-Lage dem Senat Handlungsbedarf an.
Die Zahl der Neuinfektionen im Verhältnis zur Einwohnerzahl in den vergangenen sieben Tagen und die Reproduktionszahl liegen inzwischen über den als kritisch definierten Grenzwerten. Das geht aus dem Online-Lagebericht der Gesundheitsverwaltung vom Dienstag hervor. Damit steht die Ampel nun auf Doppel-Rot. Für diesen Fall hatte der Senat vereinbart, dass die Umsetzung von Maßnahmen erforderlich wird.
Die Corona-Ampel berücksichtigt drei Indikatoren: die Reproduktionszahl (kurz R-Wert), die Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen und die Auslastung der Intensivbetten mit Covid-19-Patienten. Für jedes Kriterium wurden Grenzwerte definiert: Werden diese mindestens drei Mal in Folge überschritten, wechselt die entsprechende Ampelfarbe auf Gelb oder Rot.
Auf Rot gesprungen ist die Ampel nun bei der Reproduktionszahl - mit einem Wert von 1,26. Das bedeutet, dass ein Infizierter mehr als einen anderen Menschen ansteckt. Um die Pandemie zu bremsen, müsste der Wert kleiner als 1 sein. Bei den Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen wird inzwischen ein Wert von 44,2 erreicht. In den Innenstadtbezirken sind die Werte deutlich höher als am Stadtrand, insbesondere Neukölln sticht mit 87,3 heraus.
Das Ampelsystem war im Mai in der Hauptstadt eingeführt worden. Der Stand wird täglich im Internet veröffentlicht. Das Instrument soll der Politik frühzeitig anzeigen, ob sich die Lage in der Pandemie zuspitzt und ob Eingriffe nötig werden. Bei zwei gelben Ampeln - dieser Fall war erstmals am 21. September eingetreten - , wird die Problematik erörtert.

Senat berät erneut

Ab 17.00 Uhr wollte der rot-rot-grüne Senat nach seiner regulären Sitzung am Vormittag zum zweiten Mal am Dienstag über das weitere Vorgehen in der Corona-Krise beraten. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur und anderer Medien stehen zunächst drei Punkte zur Diskussion: eine nächtliche Sperrstunde, in der kein Alkohol ausgeschenkt oder verkauft werden soll; Regelungen für Kontaktbeschränkungen im Freien in der Nacht; und schließlich eine neue Obergrenze von zehn Teilnehmern für Feiern in geschlossenen Räumen.
Seit dem 3. Oktober gelten bereits neue Beschränkungen. Private Feiern im Freien mit mehr als 50 Teilnehmern sind verboten. In geschlossenen Räumen gilt eine Obergrenze von 25 Teilnehmern. Neu ist auch eine Maskenpflicht in Bürogebäuden.