Die Gegner der staatlichen Corona-Politik wollen in der nächsten Zeit täglich an der Berliner Siegessäule auf dem Großen Stern demonstrieren. Das kündigten sie im Messengerdienst Telegram an. Es gehe um „Demokratie und Meinungsfreiheit und gegen die Corona-Maßnahmen“, hieß es dort. Für den (heutigen) Dienstagnachmittag war bereits eine Demonstration mit 500 Teilnehmern bei der Polizei angemeldet.
Ein direkter Bezug zu der Initiative „Querdenken“, die am Wochenende die große Demonstration veranstaltet hatte, sei nicht zu erkennen, sagte ein Polizeisprecher. Allerdings wurde der Aufruf auch auf Kanälen von Querdenken geteilt. Der Große Stern mit der Siegessäule - eine zentrale Verkehrsachse in Berlin - sollte am Nachmittag wegen der Demonstration gesperrt werden.

Keine Großdemo in Berlin

Die Stuttgarter Initiative Querdenken 711 will zunächst keine weitere große Demonstration gegen die Corona-Politik in Berlin organisieren. Das sagte der Organisator Michael Ballweg am Dienstag in einem Interview mit dem Sender SWR, das in dem Messenger-Kanal des Vereins gepostet wurde. „Wir haben jetzt zwei große Demos gemacht in Berlin, sind aber eigentlich Querdenken 711, also die Organisatoren für Stuttgart, und haben jetzt beschlossen, dass wir keine Demo in Berlin machen, sondern in die Heimat zurückgehen.“ Der für Berlin zuständige Ableger Querdenken 30 werde nun Demonstrationen in der Hauptstadt organisieren.

Querdenken-Demonstration in Konstanz

Laut dem Sender RBB ist eine für den 3. Oktober in Berlin geplante Querdenken-Demonstration nach Konstanz verlegt worden. Das twitterte der RBB-Journalist Olaf Sundermeyer nach der RBB-Talksendung „Wir müssen reden“, an der Ballweg am Dienstagabend teilnahm. Ballweg habe das im Anschluss an die Live-Sendung angekündigt. Die Verlegung sei eine Reaktion darauf, dass Rechtsextreme für die Corona-Demonstrationen in der Hauptstadt mobilisierten und mitliefen, so der RBB.

„Keine Rechtsextremen gesehen“

Ballweg wies in dem Interview Kritik zurück, bei der Demonstration am Samstag seien auch viele Rechtsextremisten und sogenannte Reichsbürger gewesen. „Ich habe keine Rechtsextremen gesehen.“ Aber man werde künftig noch mehr darauf achten. Zu Menschen mit Reichsflaggen, die bei Rechtsextremen beliebt sind, habe man Ordner geschickt und von vielen gehört, „dass die Flaggen verteilt worden sind“. Seine Bewegung sei demokratisch und weder Links- noch Rechtsextremisten noch gewaltbereites Potenzial gehörten dazu, betonte er beim RBB.

Demo gegen Corona-Auflagen

Am Samstag hatten sich Zehntausende Menschen in der Hauptstadt versammelt, um gegen staatliche Corona-Auflagen zu protestieren. Darunter waren auch größere Gruppen von Reichsbürgern, nicht nur mit Fahnen, sondern auch mit entsprechenden T-Shirts, Transparenten, Megafon-Ansagen, Sprechchören und Flugblättern. Deutlich erkennbar waren auch einige kleinere Gruppen von deutlich erkennbaren Rechtsextremisten und Neonazis.
Als Reaktion auf die Demonstration und die Debatten um die Corona-Abstände beschloss der Senat am Dienstag eine Maskenpflicht für Demonstrationen mit mehr als 100 Teilnehmern, die ab Samstag gelten soll.
Für Berlin gibt es bislang keinen Aufruf und keine Anmeldung für eine große Demonstration gegen die Corona-Politik in der nächsten Zeit. Am 3. Oktober sind bislang kleinere Veranstaltungen von rechtslastigen Organisationen oder Einzelpersonen angekündigt und zum Teil auch angemeldet.