So poppig wie der Name wirken auch die bunten Mitmachstationen in der Wandelhalle. Während die "echten" Cranach-Bilder gleich nebenan hängen, geraten sie in der Familienausstellung per App in Bewegung, verwandeln sich in Einzelteile, Geräusche, Spiel- und Farbwelten. Details der Reformationsbilder, die Martin Luther unsterblich machten, werden zu Rätseln. "Die Cranachs haben über 5000 Bilder produziert, was zum Teil nur mit Schablonen möglich war, also haben wir einzelne, immer wiederkehrende Symbole noch einmal extrahiert", erklärt Birgit Weichmann vom Alice Kindermuseum. Schon Vorschulkinderhaben Spaß daran, die Umrisse von Löwen, Fasanen und buckligen Geistlichen mit den Konturen auf der großen Bilderwand zu vergleichen und Übereinstimmungen zu entdecken. Etwas weiter können dann Ritter samt Pferden und Lanzen ausgeschnitten werden. Auf der Drehscheibe aufgespießt und mit der Taschenlampe angestrahlt, gibt das Schattenspiel eine Wettkampfszene aus dem 16. Jahrhundert wieder.
Die Cranachs, die damals in Wittenberge eine der größten Kunstwerkstätten Europas leiteten, eine Apotheke und eine Druckerei betrieben und in der Politik tätig waren, wären heute Medienhipster. Und so klingeln in ihrem Büro auch stetig die Telefone. Mal ist Martin Luther dran, der sich zur Weinprobe verspätet, weil er gerade auf der Wartburg festsitzt. Oder der Kardinal von Brandenburg, der anfragt, ob er morgen zum Modelsitzen kommen könne. Wem das zu viel Stress ist, der kann sich auf Kissen im "Laubzelt" niederlassen und der Bildgeschichte von "Herkules und die Pygmäen" lauschen.
"Pop up Cranach", bis 12. April 2015 in der Gemäldegalerie in Tiergarten.