Obwohl das Revue-Theater wie die Großsiedlungen am Stadtrand in Plattenbauweise errichtet wurde, greift die Fassade historische Elemente auf.  "Das Haus sollte als zeitgenössischer DDR-Bau erkennbar sein und war gleichzeitig so angelegt, den 1919 von Hans Poelzig spektakulär umgebauten Vorgängerbau  würdig zu ersetzen", erläutert Rauhut. Das "Große Schauspielhaus", das Theaterlegende Max Reinhardt 1919 ganz in der Nähe am Schiffbauerdamm eröffnet hatte und das im Krieg stark zerstört worden war, beeindruckte unter anderem mit einer höhlenartigen Decke, von der künstliche Eiszapfen hingen.
Die opulente Beleuchtung aus Stalaktiten-ähnlichen Lampen als Reminiszenz ist aber nur eines der besonderen Elemente des Friedrichstadt-Palastes. Durch die kirchenartigen Mosaiksteine lässt die Sonne am Tage das Foyer erleuchten. Am Abend, wenn die Lampen angehen, kehrt sich das Ganze um, und der Palast funkelt verführerisch nach außen.
Eigentlich eine Notlösung
Dabei war die Fassade des letzten DDR-Repräsentationsbaus vor der politischen Wende eigentlich so etwas wie eine Notlösung. Für den neuen Amüsiertempel, der mit westlichen Showtheatern von Paris bis Las Vegas mithalten sollte, durften nicht mehr als fünf Millionen D-Mark ausgegeben werden. Weil die meisten Devisen in die aufwendige Bühnentechnik wie die über 1000 Scheinwerfer flossen, die in der DDR nicht zu bekommen waren, musste an der Hülle gespart werden. So verzichteten Bauleiter Ledderboge und seine Kollegen vom "Kollektiv Monolithischer Betonbau" auf die teure, damals typische Glasstahlbeton-Fassade. Um die grauen Wände aus vorgefertigter "Platte" aufzupeppen,  bestellten sie farbige Bausteine in den Glashütten von Weißwasser und Lauscha.  In den Beton gesetzt, glitzert der Plattenbau nun bis heute wie die aufregenden Kostüme und Bühnenbilder im Inneren.
Die Optik, die an einen orientalischen Palast erinnert, brachte dem Haus einst den  Beinahmen "Aserbaidschanischer  Bahnhof"  ein. "Anklänge des Jugendstils und Art Déco treffen auf die ,Platte’ als technisches sowie gestalterisches Merkmal", meinen die Denkmalschützer. Als Sonderbau hebe sich der Palast von allen anderen Bauten der Epoche mit ähnlichen Funktionen ab.
Federführend für den Entwurf war unter anderen Architekt Manfred Prasser (1932 – 2018) aus Oranienburg, der auch am Bau des Palastes der Republik beteiligt war und das Schauspielhaus am Gendarmenmarkt zum Konzerthaus Berlin rekonstruierte. "Sein lichter Art-Déco-Stil hebt sich von allem ab, was zu gleicher Zeit im Osten wie im Westen entstanden ist", schrieb die Zeitung die "Welt" in einem Nachruf nach dem Tod des gebürtigen Sachsen.
"Ich habe das Haus vom ersten Moment an geliebt", sagt Bernd Schmidt, Intendant seit 2007. Die Unterschutzstellung durch die Landesdenkmalbehörde sei für ihn auch eine "Anerkennung ostdeutscher Lebensläufe." Auch die Belüftungsanlage, die derzeit modernisiert wird, habe vier Jahrzehnte lang tadellos funktioniert. "Aber nun gehen die Ersatzteile aus, die nicht mehr produziert werden", erklärt Schmidt. Dass man die Anlage nun in der Zeit des Corona-bedingten Spielstopps auf den neuesten Stand der Technik, vor allem auch in Bezug auf Aerosole bringen könnte, sei "ein Geschenk des Himmels beziehungsweise des Steuerzahlers".
Eigentlich spiele der Palast 80 Prozent seiner Kosten selbst ein, betont Kultursenator Klaus Lederer (Linke). "Doch momentan steht die Maschine still." Erst am 2. Januar werde es wieder heißen: "The show must go on."

Showbetrieb soll im Januar wieder starten


Die VIDID Grand Show ist mit 689 361 Gästen und Ticketverkäufen von 38,8 Millionen Euro die seit 1945 bis dato erfolgreichste Produktion des Palastes. Auch auf Grund der angeordneten Schließung durch die Corona-Pandemie wurde die Laufzeit der Grand Show bis Sommer 2021 verlängert. In der langen Schließzeit hat der Palast aus der Not eine Tugend gemacht und die für 2022 geplante Sanierung der Lüftungsanlage vorgezogen. Anfang Januar 2021 will das Theater wieder öffnen.

Das Bühnenensemble des Friedrichstadt-Palastes probt allerdings unter Einhaltung der Abstands- und Hygieneregelungen schon seit  Mai wieder. Dabei wird in kleineren Gruppen in mehreren Räumen trainiert. Über 50 Künstler*innen der VIVID Grand Show tanzten unter anderem beim Finale der TV-Show "Germany’s next Topmodel" im Studio in Adlershof. neu