"Shut down Mietenwahnsinn – sicheres Zuhause für alle!", steht nun auf den Plakaten, die für eine große Demo am Sonnabend am Potsdamer Platz werben. Bevor die Politiker in die Sommerpause gehen, wollen zahlreiche wohnungspolitische Initiativen von Hamburg über Leipzig bis Stuttgart auf die Straße gehen. Denn Ende Juni soll die Stundung der Mietzahlungen bei krisenbedingter Zahlungsunfähigkeit auslaufen. "Wir befürchten, dass es danach verstärkt zu Kündigungen und Zwangsräumungen kommen wird", erklärt Michael Meier.

Dramatische Geschichten

Schon seit Jahren ist der Lehrer aus Neukölln im Bündnis gegen Verdrängung und Mietenwahnsinn aktiv. Er selbst konnte sein Job online weitermachen und seine Miete weiterzahlen. Doch weil er andere dramatische Geschichten im Freundeskreis hörte, hat er vor kurzem die bundesweite Internetseite  www.wirzahlennicht.com ins Internet gestellt.
Dort können Menschen, die durch die Pandemie Mietprobleme haben, ihre Lage schildern und sich mit anderen Betroffenen beziehungsweise mit Initiativen vernetzen.
Die Initiatoren können sich sogar einen Mietstreik wie in Spanien vorstellen. Um Druck auf Politik und Vermieter auszuüben, zahlen dort seit April ganze Hausgemeinschaften oder Wohnblocks gemeinschaftlich keine Miete mehr. Dabei gehen auch die, die eigentlich zahlen könnten, das Risiko ein, gekündigt zu werden. Deswegen sehen wir so einen Streik auch nur als letztes Mittel", sagt Meier.
Er und seine Mitstreiter wollen nun erst einmal die ersten rund 100 Einträge auswerten und Daten sammeln, um sich ein Bild von der Lage zu machen. "Man kann jetzt schon sehen, dass es zum Beispiel viele Studenten ziemlich hart getroffen hat. Wer vollzeit studiert hat kein Recht, Hartz IV zu beantragen, nachdem die Gastro-Jobs weggebrochen sind", berichtet Meier. So würden viele berichten, dass sie in den vergangenen Monate ihr Erspartes aufgebraucht hätten oder nur mit Hilfe von ihren Eltern über die Runden kamen.

Auch Familien betroffen

Doch auch Familien hätten sich schon gemeldet. Mayer erzählt von einer Fitnesstrainerin und einem Erzieher mit zwei Kindern, deren Hälfte des Gesamteinkommens schon vor Corona für die Miete drauf ging. Nun seien sie in Kurzarbeit und ebenfalls auf die Hilfe der Eltern angewiesen. So fordern  mehrere Berliner Initiativen, die Mietschulden für die Zeit der Corona-Einschränkungen gänzlich zu erlassen, damit sich die Betroffenen nicht weiter verschulden und Kündigungen verhindert werden können.
Die Demonstration beginnt am Sonnabend um 14 Uhr am Potsdamer Platz.

Vor einem Jahr Mietendeckel beschlossen


Als Reaktionauf den entfesselten Immobilienmarkt hat der Berliner Senat genau vor einem Jahr den Mietendeckel beschlossen. Der 18. Juni 2019 markiert den Stichtag, ab dem die Mieten eingefroren und damit der Mietanstieg gestoppt wurde. Hat er vor Gericht Bestand, dürfen sich Berlins Mieter im November auf weitere Entlastung freuen. Zwei Drittel der Vermieter rechnen dagegen mit Einbußen. Das geht aus einer Umfrage hervor, die vom Maklerhaus Engel & Völkers und dem Investmentunternehmen Skjerven Group beauftragt wurde. Demnach wollen 78 Prozent der Vermieter nun bei Modernisierung und Sanierung sparen. Laut Senatsverwaltung gab es bis Ende Mai 425 Anzeigen und Hinweise zu Verstößen gegen den Mietendeckel. neu