Berlin hat zum zweiten Mal unter Pandemiebedingungen ins neue Jahr gefeiert. Am Brandenburger Tor wurde das Jahr 2022 mit einem kleineren Bühnenfeuerwerk begrüßt - eine große Party fiel wegen der Corona-Pandemie aus. Stattdessen sendete das ZDF von dort die Fernsehshow „Willkommen 2022“ - ohne Publikum. In der Nähe versammelten sich um Mitternacht trotzdem „mehrere Tausend Menschen“, wie Polizeisprecher Thilo Cablitz sagte. Es sei insgesamt aber eine „verhältnismäßig ruhige Einsatzlage“ gewesen, fügte er am frühen Samstagmorgen hinzu.
Bei einer privaten Silvesterparty im Osten von Berlin sind zwölf Menschen bei der Explosion von illegalem Feuerwerk verletzt worden. Elf von ihnen seien zur Behandlung in Kliniken gebracht werden, teilte die Feuerwehr am Neujahrsmorgen mit. Sie seien teils schwer verletzt, hieß es später von der Polizei. Alle seien an den Beinen verletzt worden, sagte eine Sprecherin am Samstag.

Staatsschutz habe Ermittlungen übernommen

Der jüngste Verletzte ist laut Feuerwehr ein elfjähriger Junge, die anderen Verletzten seien Jugendliche und Erwachsene im Alter bis zu 51 Jahren. Nach ersten Erkenntnissen sollten bei der Feier im Ortsteil Friedrichshagen kurz nach Mitternacht „mehrere Einheiten eines selbstgebauten Höhenfeuerwerks“ am Boden gezündet werden. Der Polizeiliche Staatsschutz habe die Ermittlungen übernommen, hieß es.
Vier der Opfer wurden im Unfallkrankenhaus Marzahn behandelt, wie dessen Sprecherin am Samstag sagte. Zuvor hatte der RBB berichtet. Zu den Patienten gehöre ein minderjähriges Kind. Bei einem Verletzten sei die Mittelhand abgerissen worden, bei einem anderen zwei Zehen. Ein weiterer Patient habe unter anderem Verbrennungen erlitten, so die Sprecherin.
Die Feuerwehr war gegen 0.10 Uhr alarmiert worden und nach eigenen Angaben mit 40 Einsatzkräften vor Ort. 20 Partygäste seien von einem Notarzt untersucht worden.
Cablitz sagte, in der Nacht seien rund 90 Menschen vorübergehend festgesetzt worden, etwa wegen Verstößen gegen das Waffengesetz und das Sprengstoffgesetz. Ein Polizeikollege sei beim Einsatz verletzt worden. Details waren zunächst nicht bekannt. Die Polizei kündigte eine Einsatzbilanz im Laufe des Samstags an.

Feier am Brandenburger Tor

Die Polizei hatte am Freitagabend bei Twitter dazu aufgerufen, Unter den Linden den nötigen Mindestabstand einzuhalten. Wie vermutet hätten viele von ihnen den Jahreswechsel am Brandenburger Tor feiern wollen, sagte Cablitz. Einsatzkräfte hätten die Menschen dann aufgefordert, das Gebiet zu verlassen, sagte Cablitz. Seinen Angaben zufolge löste sich die Menschenmenge nach und nach auf.
Die Polizei hatte noch vor Mitternacht bei Twitter darauf hingewiesen, dass es diesmal kein Höhenfeuerwerk geben werde. Auch der U-Bahnhof dort war zwischenzeitlich geschlossen worden. Am Brandenburger Tor hatte in der Vergangenheit oft eine große Party mit Hunderttausenden Menschen stattgefunden. Diesmal sendete das ZDF von dort aber eine reine Fernsehshow - ohne Publikum.
Bonnie Tyler singt bei der Silvesterfeier des ZDF am Brandenburger Tor auf der Bühne.
Bonnie Tyler singt bei der Silvesterfeier des ZDF am Brandenburger Tor auf der Bühne.
© Foto: Christophe Gateau
Auf der Bühne traten mehrere Musikerinnen und Musiker auf. Mit dabei waren Marianne Rosenberg, Dieter Hallervorden und Bonnie Tyler - sie sang unter anderem „Total Eclipse Of The Heart“. Auch Berlins neue Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD) hatte einen kurzen Auftritt. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) war per Video zugeschaltet und sagte mit Blick auf die Pandemie, für 2022 sehe er „Licht am Ende des Tunnels“.

Corona bestimmt Silvesterfeier

Böller und Raketen durften bundesweit nicht verkauft werden. Damit sollte verhindert werden, dass die Krankenhäuser weiter belastet werden. Mit dem Start ins neue Jahr wurden aber auch in diesem Jahr im Berliner Unfallkrankenhaus die ersten Menschen eingeliefert, die sich mit Feuerwerk verletzt hatten. Nach Einschätzung einer Sprecherin könnten sich auch am Neujahrsmorgen noch neue Patienten melden - manche merkten erst am nächsten Tag, wie schwer sie sich eigentlich verletzt hätten.
Wegen der Pandemie galten auch weitere Vorsichtsmaßnahmen. Private Feiern waren nur im kleinen Rahmen erlaubt. In Berlin durfte an etlichen Stellen der Stadt nicht geböllert werden. An rund 50 Stellen galt ein Versammlungs- und Feuerwerksverbot, dazu gehörten etwa der Potsdamer Platz, das Kottbusser Tor und der Breitscheidplatz. Die Gegend Unter den Linden, in der sich die Menschen um Mitternacht versammelt hatten, war nach Angaben des Polizeisprechers keine Verbotszone. Es seien aber zunehmend keine Abstände eingehalten worden, sagte Cablitz.
Der Silvesterabend hatte nach Angaben von Polizei und Feuerwehr vergleichsweise ruhig begonnen. Im Stadtteil Neukölln war es nach Einschätzung eines dpa-Reporters vor Mitternacht - etwa am Hermannplatz und in der Sonnenallee - deutlich ruhiger als in den Jahren vor der Pandemie. Die Polizei war an vielen Orten mit Wagen zu sehen. An vielen Orten waren Raketen und Böller zu hören.

Polizei kassiert Schreckschusswaffen

Die Polizei war mit rund 1600 zusätzlichen Kräften unterwegs, insgesamt sollten es damit rund 2500 Kräfte sein. Auch für die Stadtreinigung bedeutet Silvester normalerweise viel Arbeit - angesichts von Böllerverboten an vielen Orten rechnet das Unternehmen aber auch in diesem Jahr mit deutlich weniger Silvestermüll.
Die Polizei hatte am Abend bei Twitter berichtet, sie überprüfe mehrere Personengruppen in der City-West und der City-Ost. Darunter auch ein paar hundert Jugendliche, „die gemeinsam eine nicht existente Party besuchen wollten“. „Wir ganz philosophisch: Was nicht ist, kann auch nicht besucht werden. #welcome2022.“ In der Stadt hätten einige auch ihre Schreckschusswaffen abgeben müssen.

Erneut Angriffe auf Einsatzkräfte

Auch die Zahl der Angriffe auf Einsatzkräfte und Fahrzeuge stieg demnach wieder: Die Feuerwehr zählte zehn solcher Übergriffe, davon acht mit Pyrotechnik. Im Vorjahr hatte es nach Angaben der Feuerwehr fünf solcher Angriffe gegeben. Zum Vergleich: In der Silvesternacht 2019/20, in der es noch keine Corona-Restriktionen bis hin zu Böllerverboten gab, war es nach Angaben der Feuerwehr zu 24 Übergriffen auf Einsatzkräfte gekommen.
„Dieses Verhalten ist nicht zu rechtfertigen“, betonte Feuerwehr-Chef Homrighausen. „Wir eilen Menschen in Not zu Hilfe und werden selbst mit Böllern beschossen und beworfen.“ Er danke ausdrücklich allen 1490 haupt- und ehrenamtlichen Einsatzkräften.
In Berlin waren in der Silvesternacht 809 Mitarbeiter der Berufsfeuerwehr und 550 ehrenamtliche Kräfte der Freiwilligen Feuerwehren im Dienst. Unterstützt wurden sie von 86 Helfern anderer Organisationen im Rettungsdienst sowie von 45 Mitarbeitern des Technischen Hilfswerks.

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