Ob in der Kleingartenanlage, im Nikolaiviertel oder vor dem Spätkauf:Zur „Fête de la Musique“ wird am Donnerstag wieder die ganze Stadt zur Bühne. Die Veranstalter wollen diesmal den Fokus besonders auf die Randbezirke lenken. Und zum ersten Mal sollen auch die Zuschauer bei einem europäischen Gesangs-Flashmop mitsingen.
Wer am Donnerstag in Berlin aus dem Büro oder Betrieb kommt, sollte nicht direkt den Bahnhof oder den Parkplatz ansteuern. Viel angesagter wäre es, einen musikalischen Spaziergang zu unternehmen. Denn über 100 Musiker und Bands verwandeln an  diesem längsten Tag des Jahres Plätze, Bänke, Schiffe, Parks, Cafés und Kirchen  in Bühnen, um gemeinsam mit den Passanten die Sommersonnenwende zu feiern. Dabei bieten sie von Jazz, Reggae bis Klassik und Tech-House alles auf, was eine Weltstadt an internationaler Musik so hervorbringt.
Und das nicht nur in den hippen Innenstadtbezirken. „Es wird nun Zeit, den Blick von den bekannten kulturellen Zentren der Stadt wegschweifen zu lassen“, sagt Björn Döring. Er ist neuer  Kurator,  nachdem im vergangenen Jahr Festival-Chefin Simone Hofmann wegen ungeklärter Finanzierung durch den Berliner Senat nach 23 Jahren hingeworfen hatte. Nun unterstützt der Kultursenat die Fête mit 180 000 Euro aus dem neuen Festivalfonds. Und das neue Organisations-Team möchte die Aufmerksamkeit auf Bezirke lenken, an die man nicht sofort denkt, wenn es um Musik geht. Daher wird Lichtenberg in diesem Jahr in den Fokus gerückt. „Die Anmeldungen der Standorte in diesem Bezirk haben sich im Vergleich zum Vorjahr bereits fast verdoppelt“, berichtet Döring. Musiziert wird in der Jugendherberge am Ostkreuz, genauso wie im Veranstaltungshaus im tiefsten Wartenberg oder im Biergarten in der Rummelsburger Bucht. Zeiten und Orte sind auf der Festivalseite im Internet aufgelistet. Über Suchmasken kann man gezielt nach Musikrichtungen und Ortsteilen suchen.
Erstmals mit dabei sind die Bornholmer Gärten an der Grenze von Prenzlauer Berg zum Wedding. Dort musizieren Laubenpieper und Bands in Gärten, auf Festwiesen und vor Vereinsgasthäusern. Neben Zwanziger-Jahre-Musik, Line-Dance und Blues spielt ab 18.30 Uhr die  Kleingarten-Band „Born“ mit der Ostrock-Legende Harald Wilk.
Ganz andere Töne erklingen in der Martin-Luther-Gemeinde in Neukölln. Im schönen Kirchsaal zwischen Hipster-Weserstraße  und arabisch colorierter Sonnenallee musiziert eine brasilianische Band gemeinsam mit einem Gospelchor. Später spielt eine Kölner Band französische  Klassiker im tanzbaren Akustikgewand. Indie Pop von Rinoville soll das Publikum in die Nacht begleiten. Denn ab 22 Uhr verwandelt sich in mancher Kneipe die Fête de la Musique in die Fête de la Nuit.
Erstmals wird auch an zwei Tagen gefeiert. Der Auftaktabend heute findet ebenfalls in Lichtenberg statt. Im und vor dem Theater an der Parkaue spielen Künstler aus Kanada, Frankreich, Zypern und Griechenland. Um zu zeigen, dass Musik Grenzen überwindet, rufen die Veranstalter zudem am Donnerstag um 19 Uhr zu einem „Flashmob der Musik” auf. Einheimische und Touristen sollen gemeinsam mit Chören und Posaunen-Ensembles im Lustgarten,  auf den Stufen des Alten Museums und vor dem Berliner Dom zeitgleich die „Ode an die Freude”, „Imagine” und „Don’t Look Back in Anger” anstimmen. Auch andere Städte in Europa wollen mitmachen.  „Wir hoffen, dass viele Menschen die Aktion über die sozialen Medien live senden“, sagt Festival-Sprecherin Sarah Lüngen. „Ganz gleich, ob man sich vor einer Bühne befindet, mit der U-Bahn unterwegs ist oder beim Friseur wartet – alle Menschen sind eingeladen, mitzusingen.“