Wegen Planungsfehlern, Technikproblemen und Baumängeln wurde die Eröffnung des BER seit Baubeginn sechsmal verschoben. Zahlreiche Anekdoten, legendäre Pannen und viele Zitate waren die Folge - eine Übersicht.

Die Serie verpasster Termine

Januar 1992: Beginn der Planungen für den Flughafen.
September 2006: Erster Spatenstich. Der 30. OKTOBER 2011 wird als Eröffnungstermin festgelegt.
Juni 2010: Unter anderem wegen der Pleite einer Planungsfirma wird die Eröffnung auf den 3. JUNI 2012 verschoben.
Mai 2012: Vier Wochen vor dem Termin wird wegen Problemen mit der Brandschutzanlage die Eröffnung abgesagt. Wenige Tage später wird der 17. MÄRZ 2013 als neues Datum für die Inbetriebnahme genannt.
September 2012: Eine Analyse des Technikchefs Horst Amann ergibt zahlreiche Mängel über den Brandschutz hinaus. Der Aufsichtsrat verschiebt die Eröffnung auf den 27. OKTOBER 2013.
Januar 2013: Auch der Termin 27. OKTOBER platzt, Amann führt inzwischen eine Liste mit Zehntausenden Baumängeln. Die Eröffnung wird auf unbestimmte Zeit verschoben.
Dezember 2014: Auf Vorschlag von Flughafenchef Hartmut Mehdorn beschließt der Aufsichtsrat einen Zeitplan mit Ziel einer Eröffnung IM ZWEITEN HALBJAHR 2017. Baulich soll das Milliardenprojekt im März 2016 fertig sein.
August 2015: Der neue Flughafenchef Karsten Mühlenfeld räumt ein, die Baufertigstellung werde nicht bis MÄRZ 2016 gelingen. Grund sei die Insolvenz des Gebäudetechnikausrüsters Imtech Deutschland.
März 2016: Der Flughafen muss umfangreiche Genehmigungsunterlagen an mehreren Stellen nachbessern, möglicherweise auch noch mehr umbauen. Das ergibt sich aus Nachforderungen des Bauordnungsamts.
Januar 2017: Mühlenfeld verschiebt die Eröffnung ins JAHR 2018. Auf der Baustelle gab es immer wieder neue Probleme, darunter Türen, die sich nicht steuern lassen, und Sprinkler, aus denen es nur tröpfelt.
Dezember 2017: Der Aufsichtsrat und der neue Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup verständigen sich darauf, den Flughafen im OKTOBER 2020 in Betrieb zu nehmen. Tegel soll dann schließen, das alte Schönefelder Terminal vorübergehend in Betrieb bleiben.
November 2019: Flughafenchef Lütke Daldrup legt sich fest: Der BER soll nun am 31. Oktober 2020 in Betrieb gehen. Der Flughafen Tegel schließt am 8. November.
September 2020: Der Eröffnungstermin wird bestätigt. Das kurzfristig errichtete und rechtzeitig fertig gestellte Zusatzterminal 2 am BER wird dann aber wegen der Corona-Krise noch nicht gebraucht und öffnet erst im Frühjahr 2021.

Die peinlichsten Pannen am BER

Wenn zu viele Köche am Herd stehen, kann viel schief gehen. Das war auch auf der BER-Baustelle so. Hunderte Firmen arbeiteten mit, den Verantwortlichen entglitt die Kontrolle, Streit kam hinzu. Die größten Peinlichkeiten: 
Das Licht geht nicht aus
Damit überraschte der Flughafen 2013. Es gab Probleme mit der Leittechnik, wo nach Umplanungen immer wieder angeflickt wurde.
Die Rolltreppen sind zu kurz
Zwei feste Treppen folgten am Bahnhofsausgang auf die Rolltreppen, sie waren zu kurz bestellt worden. Über den Austausch wurden Flughafen und Bahn lange nicht einig.
Der Rauch muss durch den Keller
Bei Feuer geht ein Teil des Rauches durch den Keller nach außen. Das sorgte für Spott, ist wegen des Unterdrucks aber möglich. Die Anlage war über die Jahre aber so groß geraten, dass sie sich nicht mehr steuern ließ. Lösung: Aufteilung und Abluftkamine im Dach.
Die Türen sind falsch nummeriert
Jeder dritte der 4000 Räume im Terminal trug nach Umplanungen eine falsche Nummer - und war etwa für Rettungsdienste nicht zu finden. 2014 ging die Flughafengesellschaft das Problem an.
Im Terminal herrscht Kabelsalat
Mit den Erweiterungen in der Bauphase kamen immer mehr Leitungen auf die Kabeltrassen, was wegen Hitzebildung riskant sein kann. Kabel führten auch durch Kanäle mit Hauptleitungen für Wärme, Kälte und Wasser. Teilweise fehlten Pläne.
Vertrauliche Unterlagen im Müll
Ordnerweise Baupläne lagen 2014 in einem Abfallcontainer auf offener Straße in Berlin. Es gab auch Hochstapelei und Schmiergeld-Affären am BER.
Monitore laufen und laufen
750 Bildschirme im BER waren jahrelang in Betrieb, zeigten Flugziele und Schalternummern - bis die Monitore schrottreif waren und entsorgt wurden.

Der BER in Zitaten

Gebaut wurde mal mehr und mal weniger am BER. Gesprächsstoff jedoch bot der Flughafen immer. Eine Auswahl:
„Wir stehen kurz vor der Eröffnung.“
(Der damalige Regierende Bürgermeister Berlins, Klaus Wowereit (SPD), 2010 zum Starttermin am 30. Oktober 2011)
„Das ist eine Blamage. Es kann eigentlich gar nicht sein, dass in
einem Land wie Deutschland und in einer Stadt wie Berlin so eine Show
abgeliefert wird.“
(Hartmut Mehdorn als Air-Berlin-Chef 2012 zur BER-Hängepartie)
„Entweder das Ding fliegt oder ich fliege.“
(Brandenburgs damaliger Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) 2013)
„Wenn sie eine Strickjacke am Anfang mit dem ersten Knopf falsch
zuknöpfen und dann oben angekommen sind, dann ist es eben so: Dann
müssen sie erst alle Knöpfe aufmachen, bevor sie dann wieder neu
ansetzen können.“
(Hartmut Mehdorn 2014 als Flughafenchef zu den Arbeiten im Terminal)
„Ich bin trotzdem guter Hoffnung, dass dieser Flughafen, wenn er fertig ist, ins Herz der Berliner wächst.“
(Der Architekt Meinhard von Gerkan, dessen Büro den Flughafen entworfen hat, 2014)
„Für mich war es eine Zeit lang wie ein Weihnachtskalender: Jede Woche kam ein neues Thema.“
(Der damalige Technikchef Jörg Marks 2015 zu Problemen auf der Baustelle)
„Kein Politiker, kein Flughafendirektor und kein Mensch, der nicht medikamentenabhängig ist, gibt Ihnen feste Garantien für diesen Flughafen.“
(Der damalige BER-Kommunikationschef Daniel Abbou, 2016)
„Eines der größten Probleme ist das Geld - es gab zu viel davon.“
(Der Berliner Grünen-Abgeordnete Andreas Otto, 2016)
„Wir planen ja keine Mondlandung.“
(Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) 2017)
„Ein Flughafen ist nie fertig.“ (Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup, 2017)
„Ich akzeptiere es nicht, wenn die Welt über diese Baustelle lacht.“
(Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) 2018 nach einem Baustellenbesuch)
„Die Botschaft der Vergangenheit ist ja klar: Wir können Flughafen. Wir können nicht: bauen.“
(Aufsichtsratschef Rainer Bretschneider 2018).
„Wir werden definitiv ein höheres Tempo vorlegen müssen als der Flughafen.“
(Tesla-Chef Elon Musk, der in der Nähe des BER eine Autofabrik bauen lässt, im November 2019)
„Die Bauleute konnten heute berichten: Wir haben fertig.“
(Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup im Mai 2020)