Nach einem halben Jahr Bereitschaftsphase ist am früheren Flughafen Berlin-Tegel in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch endgültig Schluss. Um Mitternacht endet die Betriebspflicht des Flughafenstandorts im Berliner Norden.
„Ab dem 5. Mai ist das Gelände auch im rechtlichen Sinne kein Flughafen mehr“, teilte der Betreiber, die Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg (FBB), mit. Bereits an diesem Dienstag (4. Mai) will die FBB erste Gebäude an das Land Berlin übergeben.
Das letzte Passagierflugzeug, eine Air France in Richtung Paris, war in Tegel bereits am 8. November abgehoben. Der Flugbetrieb ist seither eingestellt. Eine Woche zuvor war der neue Flughafen BER in Schönefeld eröffnet worden, über den der Flugverkehr in der Hauptstadtregion seitdem abgewickelt wird. 
Tegel musste noch für ein halbes Jahr betriebsbereit bleiben, sollte es am Hauptstadtflughafen BER in Schönefeld Probleme geben. Auch angesichts der niedrigen Passagierzahlen in der Corona-Krise musste der alte Flughafen laut FBB allerdings kein einziges Mal reaktiviert werden. In den vergangenen Monaten diente Tegel dafür als Berliner Impfzentrum in der Corona-Pandemie.

Flughafen-Gebäude in Tegel gehen ans Land Berlin

Bis August sollen nun nach und nach das Gelände und die Gebäude an das Land Berlin übergeben werden. Dann kümmert sich die landeseigene Tegel Projekt GmbH um die Weiterentwicklung des Areals: In das ikonische Hauptterminal des ehemaligen Flughafens soll die Beuth-Hochschule für Technik einziehen. Die Gesellschaft will außerdem rund 5000 neue Wohnungen in Holzbauweise sowie einen Technik- und Industriepark errichten.
Die FBB ist gemäß des Rückgabevertrags aber noch für 2,5 Jahre für sogenannte Altlasten auf dem Gelände verantwortlich: Schadstoffe im Boden oder Fliegerbomben, die bei Bedarf beseitigt werden müssen. „Bisher ist noch kein Handlungsbedarf aufgetreten“, teilte die FBB mit.

Baustart für Berlin-Tegel war 1970

Die Flughafen-Architektur, die die Berliner heute kennen, ist ein Entwurf der Architekten Meinhard von Gerkan und Volkwin Marg. Baustart war 1970, Einweihung vier Jahre später. Seitdem ist die Zahl der Fluggäste bis zum Einbruch in der Corona-Krise fast kontinuierlich gestiegen und hat Dimensionen erreicht, für die das Gebäude schon lange nicht mehr konzipiert war: Von den rund 36 Millionen Fluggästen in Berlin im Jahr 2019 reisten rund 24 Millionen über Tegel.

Weiter Flaute am Hauptstadtflughafen BER

Der Hauptstadtflughafen BER ist unterdessen auch ein halbes Jahr nach seiner Eröffnung bei Weitem nicht ausgelastet. Im April wurden 265.000 Fluggäste im neuen Terminal gezählt, wie die Betreiber am Dienstag mitteilten. Das waren zwar 44 000 mehr als im März. Vor der Corona-Krise waren im April 2019 an den damals zwei Flughäfen Tegel und Schönefeld noch 3,1 Millionen Passagiere gezählt worden. Die Erwartungen der Luftverkehrsbranche an den Osterreiseverkehr hätten sich nicht erfüllt, teilte die Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg mit. Die Zahl der Flüge liegt bei etwa einem Sechstel des Vorkrisen-Niveaus.
Der neue Flughafen war Ende Oktober eröffnet worden. „In unserer Prognose für das Jahr 2021 gehen wir von 10,7 Millionen Passagieren aus“, sagte Geschäftsführer Engelbert Lütke Daldrup. „Diese Zahl ist nur zu erreichen, wenn die Impfstrategie greift, Reisebeschränkungen aufgehoben oder gelockert werden und dadurch der Reiseverkehr im Sommer wieder anzieht.“ 2019 waren noch rund 36 Millionen Menschen von Tegel und Schönefeld geflogen.