Was der 1. FC Union und der Wirtschaftsstandort Berlin-Brandenburg denn gemeinsam hätten, fragt Jan Eder, Hauptgeschäftsführer der Berliner Industrie- und Handelskammer (IHK), am Montagabend vor etwa 130 Gästen aus Politik und Wirtschaft am BER in Schönefeld (Dahme-Spreewald). Er schaut beim ersten Wirtschaftsgespräch in fragende Gesichter. "Beide werden unterschätzt, wachsen aber über sich hinaus", schiebt er die Antwort hinterher.
Doch damit der Wirtschaftsstandort weiter wachsen kann, setzen die Industrie- und Handelskammern in Brandenburg und Berlin auf das Milliardenprojekt BER. Auf keinen Fall, so Eder, dürften die Flugzeiten nach Inbetriebnahme des BER weiter eingeschränkt werden. "Hände weg davon!", appellierte er an die Länder Berlin und Brandenburg und forderte sie stattdessen auf, als Gesellschafter der Flughafengesellschaft Berlin Brandenburg (FBB) mit dafür zu sorgen, dass Berlin mehr Langstreckenverbindungen bekommt. Sieben Interkontinentalverbindungen seien es aktuell. "Das ist nett, aber nicht unser Anspruch", betont Eder.
Bleiben die Verantwortlichen nach dem BER-Start Ende Oktober dieses Jahres nicht am Ball, bauen sie den öffentlichen Nahverkehr vom und zum BER nicht aus, verlängern die U-Bahnlinie 7 nicht, sondern sehen dem drohenden Verkehrschaos tatenlos zu, dann sind die von Wissenschaftlern der Uni Leipzig für den BER prognostizierten Entwicklungschancen nur Schall und Rauch. Auf Basis der Zahlen von 2016 hatten sie für das Jahr 2035 allein für den BER eine Beschäftigtenzahl von knapp 40 000 hochgerechnet – derzeit gibt es an beiden Flughäfen rund 18 000 Vollzeit-Arbeitsplätze. Da statistisch betrachtet ein Arbeitsplatz am Flughafen 1,2 weitere Jobs schafft, gehen die Wissenschaftler von bis zu 70 000 Arbeitsplätzen aus, die durch den BER und rund um den BER entstehen könnten. Gerade für international tätige Unternehmen sei die Nähe zu einem Flughafen ein wichtiger Standortfaktor, sagte Oliver Rottmann, Professor an der Leipziger Universität.
Und da steht mit der Tesla-Ansiedlung ein Paradebeispiel vor den Toren Berlins, was nach Ansicht von Bernd Becking von der Bundesagentur für Arbeit durchaus zu einem Engpass auf dem Arbeitsmarkt führen kann. Denn feststeht nach Aussagen Beckings auch, dass etwa 40 Prozent der am Airport Tegel Beschäftigten nicht bereit sind, nach Schönefeld umzuziehen.
Lacher im Publikum
Doch noch gibt es einen Haken: "Die Entwicklung ist davon abhängig, dass wir auch wirklich aufmachen", sagt Flughafenchef Engelbert Lütke-Daldrup und sorgt das erste Mal für Lacher im Publikum. Erneutes Gelächter gibt es, als er von Fortschritten beim Austausch der falschen Dübel berichtet. "Wir haben fast alles fertig, und zwar richtig fertig", beteuert er. Im März 2020 werde die Prüfung der Sicherheitskabel und der Sicherheitsstromversorgung abgeschlossen. "Der Eröffnungstermin spornt uns zu neuen Leistungen an", sagt Lütke-Daldrup. Der BER-Chef glaubt an den 31. Oktober 2020 – schließlich feiert er an diesem Tag auch noch seinen Geburtstag. Einer aktuellen Umfrage zufolge denken 53 Prozent, dass es nun doch endlich klappt.

Der Umzug von Tegel nach Schönefeld


Läuft alles wie geplant, dann erfolgt der Umzug von Tegel nach Schönefeld Anfang November in mehreren Schritten. Nach der Inbetriebnahme des BER am 31. Oktober ziehen zunächst neun Airlines nach Schönefeld um, und zwar in der Nacht zum 1. November. Vom 3. zum 4. November folgen in einer zweiten Umzugswelle weitere 19 Airlines. Die letzte Hürde sind 31 Fluggesellschaften, die vom 7. zum 8. November nach Schönefeld geholt werden müssen und dann auch das Aus des Flughafens Tegel besiegeln. Nicht ausgeschlossen ist, dass es zumindest am 8. November noch Starts am Flughafen Tegel geben wird. Das sind aber die letzten kommerziellen Flüge. ndt