"Unsere Online-Tickets für heute sind schon ausgebucht. Es läuft gut", freut sich auch Joachim Breuninger. Seit 1. August ist der 51-Jährige gebürtige Baden-Württemberger neuer Chef des Hauses am Kreuzberger Gleisdreieck. Der 51-jährige Historiker und Politikwissenschaftler leitete zuvor zehn Jahre lang das Verkehrsmuseum Dresden, richtete es strategisch neu aus und  modernisierte weite Teile der Dauerausstellungen. "Mit ihm kommt ein inspirierender, zukunftsorientierter Museumsdirektor und Kulturmanager an das Deutsche Technikmuseum", betont Kultursenator Klaus Lederer (Linke), auf dessen Vorschlag hin der 51-Jährige zum neuen Museumsdirektor in Berlin bestellt wurde.
Vom Volontär zum Direktor
Breuninger übernimmt das Amt vom Historiker Dirk Böndel, der nach 37 Jahren in den Ruhestand geht. Böndel selbst fing 1983 als Volontär an. Der leidenschaftliche Schiffsmodellbauer wurde 2003 zum Chef ernannt. In seiner Amtszeit verdoppelte sich die Fläche des Deutschen Technikmuseums inklusive Science Center Spectrum auf 28 500 Quadratmeter. Böndel verantwortete zudem einen Neubau sowie den Ausbau der historischen Ladestraße und eröffnete große Dauerausstellungen zur Schifffahrt und Luftfahrt.
"Den Staffelstab von Böndel nun übernehmen zu können, ist mir eine große Ehre", sagt Breu­ninger. "Das Deutsche Technikmuseum war und ist für mich die Messlatte für die Vermittlung von Technikgeschichte."
Erste Kontakte gab es schon Ende der 90er-Jahre, als Breuninger schon einmal in Berlin lebte und im Deutschen Historischen Museum arbeitete. "Wir hatten einen engen Austausch mit den Kollegen vom Technikmuseum. Ich kenne also das Haus sehr gut und habe bewundert, wie es sich entwickelt hat. Da schaut die ganze Museumsszene drauf."
Besonders begeisterte ihn die Aufbereitung der Eisenbahngeschichte durch den Abteilungsleiter  Alfred Gottwaldt (1949 - 2015). "Er hat Dampflokomotiven völlig unrestauriert ausgestellt." Damals habe sich manch einer noch darüber aufgeregt. Heute sei es Standard, dass Verkehrstechnik im Museum auch die Abnutzung und den Verfall darstelle.
Gottwaldt sei es auch gewesen, der in einer Ausstellung erstmals die Verstrickungen der Deutschen Reichsbahn im Holocaust thematisierte. "Seine Erkenntnisse hatten auch großen Einfluss auf unsere Arbeit im Museum der Deutschen Bahn in Nürnberg", erzählt Breuninger.
Von 1999 bis 2010 war er dort  als Kurator, Leiter der kaufmännischen Abteilung sowie als Abteilungsleiter "Sammlung Fahrzeuge und Standorte" tätig. Zu seinen neuen Aufgaben in Berlin gehört nun unter anderem  der Bau eines zentralen Eingangsgebäudes direkt am Tempelhofer Ufer, das Haupthaus und Ladestraße miteinander verbinden wird.
Der Architekturwettbewerb dafür soll noch in diesem Jahr starten. Die Eröffnung könnte dann 2025 sein. "Das neue Empfangsgebäude ist für eines der größten Technikmuseen der Welt, das von Jahr zu Jahr neue Besucherrekorde aufstellt, dringend notwendig", findet Breuninger. "Das Skurrile ist ja, dass der fast schon versteckte Eingang überhaupt nicht widerspiegelt, was dieses riesige Haus ausmacht."
Nur 100 Besucher pro Stunde
Die Enge des Foyers an der Trebbiner Straße mache sich gerade auch zu Corona-Zeiten bemerkbar. Damit es zu keinen Wartezeiten kommt, werden derzeit nur 100 Besucherinnen und Besucher pro Stunde eingelassen. "In den Gebäuden wie den großen Lokhallen verteilen sich die Besucher sehr gut. Aber zur Sicherheit unserer Besucher und Mitarbeiter müssen wir eben verhindern, dass im Foyer Engstellen entstehen", erklärt der neue Direktor.
Was die Zukunft angeht, so hat er Ideen im Gepäck: "Ich sehe das Museum nicht nur als Ausstellungsraum, sondern auch als Ort für gesellschaftliche Debatten, in dem große Themen wie Klimawandel, Verstädterung, Mobilitätswende und Migration verhandelt werden."
Als Beispiel nimmt Breuninger das Mobilitätsgesetz. "In Berlin werden ja derzeit überall Pop-Up-Radwege gebaut. Ich wünsche mir, dass es künftig selbstverständlich ist, wenn solche Projekte nicht mehr nur in den Amtszimmern, sondern auch im Technikmuseum vorgestellt und diskutiert würden."

Online kann man ein Zeitfenster buchen

Seit dem 4. August sind rund 90 Prozent des Deutschen Technikmuseums an der Trebbiner Straße 9 in Kreuzberg wieder geöffnet. Damit sind fast alle Ausstellungen im Haupthaus sowie in der Ladestraße zugänglich. Das Science Center Spectrum bleibt vorerst weiter geschlossen, ebenso die Bibliothek und das Historische Archiv. Der Zugang erfolgt über ein Online-Ticket mit Zeitfenster unter: www.technikmuseum.berlin/tickets. In den Räumen ist das Tragen von Mund-Nase-Schutz Pflicht. neu