Ein Lächeln hat Christopher Trimmel eigentlich immer im Gesicht. Nach dem 2:1-Sieg des 1. FC Union Berlin gegen den 1. FC Köln war es aber noch ein bisschen breiter als sonst. Und dafür gab es natürlich verschiedene Gründe. Etwa, dass der 34-Jährige Defensivspieler eine Torpremiere in der Fußball-Bundesliga feierte. Sein Treffer zum Endstand war sein erster überhaupt in der höchsten deutschen Spielklasse.

Trimmel glänzte bisher nur als Vorbereiter

Bisher hatte der österreichische Nationalspieler durch seine hervorragenden Standards vor allem als Vorbereiter geglänzt. In dieser Saison waren es bereits sieben, in der gesamten vergangenen Spielzeit waren es elf Vorlagen. Entsprechend zufrieden war Trimmel nach der Partie. „Mit den Assists hat es ja bisher immer gut geklappt, aber mit dem Tor nicht. Ich bin froh, dass mir das gelungen ist.“
Etwas zurückhaltender war er zu möglichen neuen Zielen, obwohl sein Team mit Platz 7 weit oben in der Tabelle liegt. „Wir haben einen sehr wichtigen Schritt in der Liga getan. Unser Ziel ist, die 40 Punkte zu schaffen, dann können wir unsere Ziele ändern und bis zum letzten Spieltag Gas geben“, sagte der bekennende Freund von Tattoos, die seinen ganzen Körper zieren. Mit Ziele ändern, meinte er, sich nicht mehr mit dem Thema Klassenerhalt zu beschäftigen, den die Köpenicker mit ihren nun 38 Punkten allerdings schon sicher erreicht haben dürften. Platz 18 können sie zum Beispiel auch rechnerisch nicht mehr belegen.

Europa geht Union-Trainer Fischer schwer über die Lippen

Dass Wort Europa kommt aber weiterhin kaum einem aus dem Trainerstab oder Spielerkreis über die Lippen. Trainer Urs Fischer etwa wollte so weit, wie gewohnt, nicht gehen, sprach aber schon weniger energisch dagegen an, als noch in den Wochen davor. „Die drei Punkte sind ein großer Schritt zu unserem Ziel, aber noch ist es nicht ganz geschafft.“
Eine Ausnahme bildete wie so oft Max Kruse. Der Ex-Naionalspieler hatte mit seinem verwandelten Handelfmeter zum 1:1 kurz nach der Pause die Kölner Führung durch Ondrej Duda, ebenfalls per Strafstoß unmittelbar vor dem Wechsel, ausgeglichen und die Wende zugunsten der Eisernen eingeleitet. Es war im Übrigen das erste Mal, das die Unoner einen Rückstand in der Bundesliga noch drehen konnten. Auch das gab Kruse offenbar Auftrieb, sich optimistisch dem Thema Europa zu widmen.

Max Kruse: Europa League hätte ich Bock drauf

„Europa League hätte ich Bock drauf, Europa Conference League habe ich irgendwie keinen Bock drauf. Es gibt genug Wettbewerbe. Dabei sollte es auch bleiben. Wenn es jetzt noch einen gibt, dann Herzlichen Glückwunsch.“, sagte Kruse nach der Partie gegen Köln mit einer Pizzaschachtel in der Hand und ergänzte zum neuen drittklassigen Europapokal-Wettbewerb, den der Tabellensiebte erreicht: „Ich weiß nicht mal, was das ist“
Die Pizza, vom vereinseigenen Ernährungswissenschaftler sonst auf den Index gesetzt, gab es, weil „die 38 Punkte, die kann man auch schon einmal feiern, die werden für den Klassenhalt diese Saison reichen“. Nur geschmacklich war der italienische Gaumenschmaus dann doch nicht ganz der Fall für Kruse, weil mit Brokkoli, Zucchini, Möhren auf gesund getrimmt. „Gib' mal 'ne ordentliche Pizza!“, forderte er in einem Instagram-Video, augenscheinlich aus der Kabine.

Spieltag-Check


Gelungener Test Union erprobte erstmals ein Schnelltests-System für den Einlass von Helfern, Ordnern, Technikern, Journalisten und anderen Personen, die im Rahmen des Sonderspielbetriebes ins Stadion durften. Der Verein möchte über dieses System eine teilweise Rückkehr der Fans möglich machen, wenn es von den Behörden Grünes Licht dafür gibt. Und der Testlauf verlief positiv. „165 Berechtigte haben teilgenommen, alle Abläufe haben gut funktioniert, alle Tests waren negativ“, erklärte Union-Sprecher Christian Arbeit.

Statistisches Taktisch clever kam Union zum Sieg. Das Team lief mehr als der Gegner (122,71:120,98 km) überließ aber ansonsten den Kölnern den Ball (59 Prozent), hielt sich zurück (Zweikampfquote 58:42 für Köln), und war effizienter vor dem Tor.

Zitat „Der Torjubel war schon fast ein bisschen abgesprochen, ein bisschen den Kloppo gemacht.“ (Christopher Trimmel)