Die großen, orangefarbenen Buchstaben „OSW“ weisen den Weg: Sie führen direkt zum Industriesalon Schöneweide, in eine der vier großen Reinbeckhallen. Zwischen alten technischen Geräten und allerlei Raritäten, die einst im Werk für Fernsehelektronik produziert wurden, stehen nun Bild- und Texttafeln, ein großes Modell und eine Hörstation. „Wir lassen die vergangenen 15 Jahre, in denen Oberschöneweide als Sanierungsgebiet festgesetzt war, Revue passieren“, sagt Karsten Hanke von der Stadtentwicklungsgesellschaft mbH (Stattbau Berlin). Anlass für diesen Blick zurück und nach vorn ist der Abschluss des geförderten Sanierungsstatus.
Zur Aufwertung des 42 Hektar großen Areals investierten das Land Berlin und der Bund seit 1995 rund 97 Millionen Euro. Mit diesem Geld wurden Gebäude saniert, Freiräume gestaltet, Neubauten errichtet, Spielplätze eröffnet, Straßen und Wege verbessert sowie neu angelegt und das Spreeufer für Bewohner und Gäste erlebbar gemacht. In alle Vorhaben und Projekte flossen Ideen und Anregungen der Bewohner ein. Ein Beleg für den Erfolg der vielen einzelnen Maßnahmen ist der Bevölkerungszuwachs von 38 Prozent. Jetzt leben etwa 5800 Menschen in dem Treptow-Köpenicker Ortsteil.
Hanke begleitete den Prozess von Anfang an. Als er in den vergangenen Monaten mit einem Team die Ausstellung vorbereitete, haben ihn vor allem die Bilder aus dem Jahr 1995 überrascht: „Es war ein Schock, noch einmal zu sehen, wie es damals hier aussah“, berichtet der Ingenieur. Diese Fotos mit den heruntergekommenen Häusern, den maroden Spielplätzen und versiegelten Höfen sowie den verlassenen Industriearealen werden den Ausstellungsbesuchern jetzt noch einmal vor Augen geführt.
87 Prozent der Altbauten sind mittlerweile saniert. Die Wilhelminenhofstraße und der Rathenauplatz wurden beispielsweise vollkommen neu gestaltet. Und die Spree ist durch den neu errichteten Stadtplatz und die Uferwege für jeden erlebbar geworden. Zudem sind durch den Kaisersteg, eine Fußgänger- und Radfahrerbrücke, Ober- und Niederschöneweide wieder miteinander verbunden. Zur Belebung des Viertels trägt auch die Ansiedlung der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) in den umgebauten Industriekomplexen bei. Dennoch wünschen sich Hauseigentümer und Gewerbetreibende, dass noch mehr junge Leute zuziehen.
Bis 2013 werden einige Projekte fortgeführt: Dazu gehört unter anderem ein „Aktionspark“, zwischen Slaby- und Wilhelminenhofstraße, mit großzügigen Freiflächen, Spielplätzen und einem Industrielehrpfad. Gleich daneben ist eine Dreifeldsporthalle für die Studenten der HTW und die Bewohner geplant. Im Januar sollen die Ergebnisse eines europaweiten Wettbewerbsverfahrens vorliegen. Auch ein „Generationenpark“ zwischen Deul- und Wattstraße entsteht. „Weiterhin beziehen wir die Anwohner in die Vorhaben ein“, verspricht Hanke. So wie in der aktuellen Ausstellung. Dort sind Geschichten und Gedichte von Oberschöneweidern über ihren Kiez zu hören.
Bis 15. Dezember im Industriesalon, Reinbeckstraße 9. Weitere Infos unter Telefon: 030 53007042.