Sie soll die Schleusung junger Vietnamesinnen mit organisiert und sie in ihren bordellartigen Etablissements in Berlin ausgebeutet haben: Rund sieben Monate nach einer großen Razzia in mehreren Bundesländern und der Slowakei gegen eine mutmaßliche Schleuserbande hat am Landgericht der Hauptstadt der Prozess gegen eine mutmaßliche Drahtzieherin begonnen. Mitangeklagt sind eine 50-jährige Frau und ein 39-jähriger Mann. Ob sich die Angeklagten zu den Vorwürfen äußern werden, blieb zu Prozessbeginn am Montag zunächst offen.

Notlage der Frauen aus Vietnam wurde ausgenutzt

Die Anklage lautet auf gewerbsmäßige Zwangsprostitution, Ausbeutung von Prostituierten, Nötigung, gewerbsmäßiges Einschleusen von Ausländern und Verschaffen von falschen amtlichen Ausweispapieren, Nötigung und Betrug. Die 40-jährige Hauptangeklagte soll ab 2018 Vietnamesinnen zur Prostitution in Berlin angeworben und ihre Schleusung unter anderem über die Slowakei nach Deutschland mit organisiert zu haben. Unter Ausnutzung der Notlage der Frauen habe sie Termine mit den Freiern vereinbart und die Preise bestimmt.
„Sie wusste, dass die Frauen von ihr und der Beschäftigung in den bordellartigen Betrieben abhängig waren, weil sie sich illegal im Bundesgebiet aufhielten“, heißt es in der Anklage. Geschleuste hätten sich auch wegen erheblicher Schulden in den Etablissements der 40-Jährigen prostituiert.

„Schleusungswillige“ zahlten mitunter fünfstellige Summen vorab

Um insgesamt 44 Menschen aus Vietnam, die zwischen 2018 und Mai 2021 nach Deutschland geschleust worden seien, geht es im Prozess. Sieben Frauen hätten dann in bordellartigen Etablissements der 40-Jährigen gearbeitet. Der 39-jährige Mitangeklagte soll laut Ermittlungen im Auftrag der 40-Jährigen auf einschlägigen Seiten im Internet Werbung für sexuelle Dienstleistungen der betroffenen Vietnamesinnen geschaltet haben. Ihm wird Beihilfe vorgeworfen.
Die beiden angeklagten Frauen sollen zudem in mehr als 30 Fällen mit bislang unbekannten Mittätern in der Slowakei als Bande agiert haben, um Menschen aus Vietnam mittels unrechtmäßig erlangter slowakischer Visa in den Schengenraum einzuschleusen. Für das Verschaffen der durch falsche Angaben erlangten „Schengen-Visa“ hätten sich Schleusungswillige laut Anklage zur Zahlung von fünfstelligen Summen verpflichtet, „die sie zum Teil vorab zahlten und zum Teil in Deutschland abarbeiten sollten“.

Berlin gilt als Zentrum für Einschleusungen aus Vietnam

Die 40-Jährige wurde Ende Mai 2021 in Berlin festgenommen, die 50-jährige Angeklagte in der slowakischen Hauptstadt Bratislava. Insgesamt 700 Polizisten waren bei der damaligen Razzia im Einsatz. Berlin gilt als eines der Zentren in Europa für Einschleusungen aus Vietnam. Die Hauptanlaufstelle ist laut Polizei ein großes asiatisches Einkaufszentrum in Berlin-Lichtenberg.
Das Landgericht hat der 40-Jährigen im Fall eines umfassenden Geständnisses eine Strafe zwischen vier und fünf Jahren in Aussicht gestellt. Der Prozess wird am 5. Januar fortgesetzt.