Bei Razzien in vier Bundesländern wurden am Dienstag neun Objekte durchsucht, darunter auch in Brandenburg. Wie die Generalstaatsanwaltschaft Berlin mitteilte, waren die Beamten in Ludwigsfelde (Teltow-Fläming), in den Berliner Bezirken Hellersdorf, Hohenschönhausen, Köpenick und Spandau sowie in Nordrhein-Westfalen und Thüringen im Einsatz.
Die Razzien mit 180 Beamten hätten sich gegen ein Netzwerk von Bürgern mit tschetschenischen Wurzeln und islamistischem Hintergrund gerichtet, hieß es bei den Ermittlern. Die Verdächtigen sind zwischen 23 und 28 Jahre alt. Ihnen wird vorgeworfen, eine "schwere staatsgefährdende Gewalttat geplant" und dafür mögliche Anschlagsziele ausspioniert zu haben. Festnahmen gab es aber keine. "Die Voraussetzungen für den Erlass von Haftbefehlen gegen die fünf Beschuldigten liegen derzeit nicht vor", teilte ein Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft mit. Ein dringender Tatverdacht habe sich nicht erhärtet. Nun würden ihre Handys ausgewertet. Auch Stichwaffen wurden sichergestellt.
Auf dem Smartphone eines Verdächtigen seien Fotos eines Einkaufszentrums und einer Synagoge gefunden worden, bestätigte der Sprecher. Die Ermittler gehen davon aus, dass diese Orte als Ziel ins Visier genommen worden seien. Über deren Lage teilte er nichts mit.
Von den 180 Personen, die der Brandenburger Islamistenszene zugerechnet werden, stellen Tschetschenen mit 65 Angehörigen einen deutlich größeren Anteil als in anderen Bundesländern, wie es im Landesverfassungsschutzberichtbericht heißt. Dies gelte vor allem für das gewaltbereite Spektrum.
Auch die Ziele hätten sich verändert. "Während die ältere Generation immer noch an der Vorstellung eines unabhängigen Tschetschenien festhält, zeigt sich bei den jüngeren Tschetschenen eine Umorientierung zu salafistischen Ideologien, meist in Richtung des IS."