Hat Hertha BSC einen Befreiungsschlag gelandet? In jedem Fall gelang nach neun sieglosen Spielen in Folge am Sonnabend mit dem 2:1 gegen den FC Augsburg mal wieder ein Dreier. Hier die Partie im Check:

Die Lage

Die Situation für Hertha BSC war brisant. Vor der Partie gegen die Augsburger hatten die Berliner nach neun Spielen ohne Sieg als Tabellen-15. mit 18 Zählern den gleichen Punktestand wie die dahinter postierten Teams aus Bielefeld und Mainz. Klar, dass Trainer Pal Dardai vor der Begegnung im leeren Olympiastadion die Partie als ein “Muss-Spiel“ titulierte. Es zählte also nur ein Sieg - der wurde es in letzter Minute und damit auch etwas Luft im Abstiegskampf.

Die Vorgeschichte

Hat gar nicht direkt mit dem Spiel gegen Augsburg zu tun, sondern mit einer Personalie neben dem Platz. Hertha-Chef Carsten Schmidt hat nämlich Gespräche mit Eintracht Frankfurts scheidendem Sportvorstand Fredi Bobic über eine Zukunft in Berlin dementiert. „Ich bin gar nicht weit mit Fredi Bobic, weil ich gar nicht das Mandat habe, mit einem zukünftigen Sportmanager Gespräche zu führen, und ich habe auch keine Gespräche mit niemanden geführt“, sagte der Leiter der Geschäftsführung des Berliner Fußball-Bundesligisten vor der Partie gegen die Fuggerstädter. Zahlreiche Medien sahen die ehemaligen Hertha-Stürmer mit Haus und Ehefrau in Berlin schon auf einem tragenden Posten bei den Hauptstädtern. Sportlich hofft Trainer Dardai sicher, dass seine weiße Weste ein gutes Omen ist. Zum zehnten Mal trat der Ungar als Cheftrainer von Hertha BSC, damit hast er Jürgen Röber mit insgesamt 157 Spielen eingeholt, gegen den FC Augsburg an, noch nie in den bisherigen neun Spielen hatte er verloren. Auch beim 10. Duell nicht.

Die Tore

0:1 (2.) Laszlo Benes, mit einem Drehschuss aus spitzem Winkel nach Kopfball-Vorlage von André Hahn überwindet er den mit neuer Kurzhaarfrisur aufwartenden Rune Jarstein.
1:1 (62.) Krzysztof Piatek, köpft den Ball nach Traumpass von Klünter auf Darida und dessen Flanke ein.
2:1 (88.) Dodi Lukebakio, verwandelte einen von Pedeesen an Tousart verwirkten Elfmeter

Die Startelf und Taktik

Wie angekündigt setzte Hertha-Trainer Dardai in der Partie und einen 3-4-1-2-System auf eine Doppelspitze aus dem Polen Krzysztof Piatek und dem Kolumbianer Jhon Cordoba. Im defensiven Mittelfeld übernahm der Argentinier Santiago Ascacibar die Position von Weltmeister Sami Khedira, der wegen einer Wadenblessur fehlt. Damit fiel auch der Bruderduell mit Rani Khedira aus, der im Augsburger defensiven Mittelfeld agiert.
Sein Kollege Heiko Herrlich setzt auf die gleiche Startelf wie beim 1:0 beim FSV Mainz 05 am vergangenen Sonntag und ließ in einem traditionellen 4-2-3-1-System spielen.

So lief die Partie

Es passierte genau das, was nicht hätte passieren sollen. Hertha lag früh, sehr früh zurück. Zwar fingen sich die Berliner schnell, aber sie zeigen dann auch, warum sie sich in dieser misslichen tabellarischen Lage befinden. Im Spielaufbau agierte Hertha spätestens im letzten Drittel zu fehlerhaft. Mittelstädt tat sich dabei durchaus hervor und wurde zur Pause durch den Wandlitzer Luca Netz ersetzt. Zudem war erkennbar, warum die alte Dame in den vergangenen neun Spielen gerade dreimal getroffen hat. Cordoba und Zeefuik schlossen zu schwach ab und auch der völlig freistehende Ascacibar brachte den Ball nicht an Ex-Union-Torwart Rafal Gikiewicz vorbei. Glück für Hertha, dass Augsburg mit seinem zweiten Torschuss durch Niederlechner kurz vor der Pause nur den Pfosten traf.
Was wäre wohl passiert, wenn Cordoba gleich nach Pause Gikiewicz überwunden hätte? Doch der Pole parierte stark und Hertha rannte verzweifelt weiter dem Rückstand hinterher. Bis der Knoten endlich platzte als Piatek seine Knipserqualitäten beim Ausgleich doch mal unter Beweis stellte. So druckvoll wie danach hat man Hertha selten gesehen. Plötzlich wurden die Bälle gewonnen, ging es zielstrebig nach vorne, schienen alle aufzublühen, nur ohne Erfolg. Bis Pedersen, der eigentlich schon mit Gelb-Rot vom Feld hätte gehen müssen, Tousart im Strafraum foulte. Und Lukebakio vom Punkt die Partie drehte.

Die Stimmen

„Das war ein magischer Moment und ein wichtiger Dreier. Wir hatten auch ohne Elfmeter genügend Chancen, um zu gewinnen. Wir müssen uns nicht klein reden. das war eine starke Leistung und ein verdienter Sieg“ (Pal Dardai, Trainer Hertha BSC)
„Die Erleichterung ist groß. Nach dem Abpfiff sind große Steine vom Herzen gefallen. In der Pause haben wir gesagt, dass wir auf Sieg gehen wollen. Das hat geklappt. Jetzt müssen wir auch gegen stärkere Team mal punkten.“ (Niklas Stark, Kapitän Hertha BSC)

Die Statistik

Hertha BSC – FC Augsburg 2:1 (0:1)
Hertha: Jarstein - Klünter, Stark, Dardai - Zeefuik, Tousart (90. Alderete), Ascacibar (46. Guendouzi), Mittelstädt (46. Netz) - Darida (86. Löwen) - Piatek, Cordoba
München: Gikiewicz - Framberger, Gouweleeuw, Uduokhai, Pedersen - Strobl, Khedira - Caligiuri, Benes (74. Richter), Hahn (90. Sarenren Bazee) - Niederlechner (84. Gregoritsch)
Tore: 0:1 Benes (2.), 1:1 Piatek (62.)-, 2:1 Lukebakio (88., Foulelfmeter) - Schiedsrichter: Badstübner (Windsbach) - Zuschauer: keine

So geht es weiter

Am Sonnabend reist Hertha BSC um 18.30 Uhr zu Borussia Dortmund. Die empfangen bereits am Freitag um 20.30 Uhr Borussia Mönchengladbach.