Berlin wächst nach Einschätzung der Stadtentwicklungsverwaltung weiter. Entsprechend hoch bleibt der Bedarf an Wohnraum in der Hauptstadt in den kommenden Jahren. Es habe zwar 2020 eine Delle bei der Bevölkerungsentwicklung gegeben, sagte Stadtentwicklungssenator Sebastian Scheel bei einer Pressekonferenz am Montag. Die ist nach seiner Überzeugung aber vor allem auf die Corona-Pandemie zurückzuführen und keine Trendwende. Scheel rechnet damit, dass die Zahl der Berlinerinnen und Berliner schon ab diesem Jahr wieder steigt. Den Zuwachs laut der Bevölkerungsprognose auf mehr als 3,9 Millionen Menschen bis 2030 hält der Linke-Politiker weiter für realistisch. Daher bleibt der Wohnungsbau wichtig.

50.700 neue Wohnungen geplant

In der aktuellen Wahlperiode habe man die planerischen Voraussetzungen für die Zukunft Berlins geschafften, sagte der Senator. Seit 2016 seien durch Änderungen beim Flächennutzungsplan Bauflächen für 50.000 neue Wohnungen ausgewiesen worden. In 16 neuen Stadtquartieren in der gesamten Stadt sollen in naher Zukunft 50.700 Wohnungen entstehen. Davon sind Scheel zufolge 12.000 bereits fertig oder im Bau, für rund 3200 ist der Baubeginn in diesem Jahr geplant, für 19.000 zwischen 2022 und 2026.
Scheel wies auf die Rolle der sechs Berliner Wohnungsbaugesellschaften wie Gewobag und Degewo beim Wohnungsbau hin: Sie hätten die Zahl fertiggestellter kommunaler Wohnungen zuletzt kontinuierlich von rund 1300 im Jahr 2016 auf 5792 im vergangenen Jahr gesteigert. Das sei ein enormer Kraftakt gewesen, sagte Scheel. Durch Neubau und Ankauf sei der Bestand im gleichen Zeitraum um rund 38.500 Wohnungen gewachsen. Damit verfügten die sechs Gesellschaften inzwischen über 336.238 Wohnungen.

100.000 Sozialwohnungen anvisiert

Die Zahl soll weiter steigen, der Senat will den Anteil der landeseigenen Wohnungen ausbauen. Scheel sagte, Anfang 2017 seien bei den sechs Gesellschaften rund 33.000 Wohnungen in Planung oder Bau gewesen, aktuell seien es mehr als 63.000. Der Senator räumte ein, beim Neubau sei es langsamer vorangegangen als erhofft. Bei den Sozialwohnungen sei das Ziel, sie berlinweit bei 100.000 zu stabilisieren - deutlich unter dem Niveau vor zehn Jahren, als es noch fast 150.000 gab. 2020 waren es rund 95.600, für 2021 lautet die Zielmarke 97.050.

Kritik vom Mietverein

Deutliche Kritik äußerte der Berliner Mieterverein am Montag: Die Einführung des Mietendeckels zur Begrenzung der Mieten vor einem Jahr habe eine Trendwende beim Mieterschutz eingeleitet. Auch der Zuwachs an städtischen Wohnungen sei eine beachtliche Leistung, so der Geschäftsführer des Mietervereins, Reiner Wild. Doch für Haushalte mit durchschnittlichem und niedrigem Einkommen habe sich bei der Wohnungssuche kaum etwas geändert. Die neugebauten Wohnungen der landeseigenen Gesellschaften seien kaum mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein. Auch der geplante Baubeginn von weiteren gut 22 000 Wohnungen in den 16 neuen Stadtquartieren innerhalb der nächsten sechs Jahre werde daran wenig ändern.
Scheel kündigte an, beim Bauen werde Berlin nicht zuletzt aus Klimaschutzgründen immer mehr auf Holz setzen. Dieser Baustoff habe neben der Nachhaltigkeit auch den Vorteil, dass sich damit die Bauzeit verkürzen lasse. Der Senator wies auf erste Grundschulen in Holzbauweise hin, die bereits fertiggestellt seien. Ähnliche Bauprojekte in Berlin starten in diesem Jahr mehrere. Noch seien die Kosten allerdings höher als beim konventionellen Bauen. Vorzeigeprojekt soll das neue Schumacher-Quartier im östlichen Teil des ehemaligen Flughafens Tegel werden, nachdem dort im November die letzten Maschinen abgehoben haben: Geplant sind mehr als 5000 Wohnungen in Holzbauweise.

Mietendeckel-Gesetz soll ausbremsen

Opposition und Wohnungswirtschaft haben dem Berliner Senat immer wieder vorgeworfen, es gehe beim Neubau nicht schnell genug voran. Das vor einem Jahr in Kraft getretene Mietendeckel-Gesetz bremse die Branche zusätzlich aus. Einigkeit besteht darüber, dass in Berlin nach wie vor Tausende von Wohnungen fehlen und die Wohnungsknappheit ein wesentlicher Grund für die in den vergangenen Jahren erheblich gestiegenen Mieten ist. Vom Wohnungsbau dürfte im Berliner Wahlkampf noch häufig zu hören sein.
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