Die Zahl der Schlafplätze, Finanzfragen und Sorgen um eine Zunahme der Wohnungslosigkeit in der Krise: Zum ersten Pandemie-Herbst steht die Kältehilfe für Obdachlose in Berlin vor einigen Herausforderungen. Die Unterstützungsangebote starten am 1. Oktober mit 500 Übernachtungsplätzen, wie die Sozialverwaltung am Freitag, dem Tag der Wohnungslosen, auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mitteilte. Das Angebot werde im Laufe der darauffolgenden Wochen weiter erhöht. Nach aktuellem Stand sollen am 1. November 879 Notübernachtungsplätze bereitstehen, wie es hieß. Vor einem Jahr hatte es ab November bereits mehr als 1000 Plätze gegeben.

Hygieneregeln schwächen Kältehilfe

„Die Corona-Pandemie hat dazu geführt, dass einige Anbieter und soziale Träger aufgrund der geltenden Hygieneregeln ihre Angebote der Kältehilfe nicht mehr im bisher vollen Umfang anbieten können. Manche Einrichtungen bleiben deswegen geschlossen“, erklärte die Sozialverwaltung. Man wolle aber wie in den Vorjahren auch unter Corona-Bedingungen die bisherige Kapazität von mehr als 1000 Notübernachtungsplätzen in der Stadt anbieten, hieß es. „Es sind weitere Unterkünfte in Planung, ebenso führen wir Gespräche mit sozialen Trägern, die die obdachlosen Menschen dort betreuen.“

Anstieg der Obdachlosigkeit befürchtet

Akteure der Wohnungslosenhilfe wie der Deutsche Caritasverband und die Katholische Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe hatten sich vor dem Tag der Wohnungslosen besorgt gezeigt beim Blick auf Herbst und Winter: Befürchtet werde ein Anstieg der Wohnungslosigkeit, es könnte wegen Abstandsregeln und Platzmangel nicht genug Angebote für Betroffene geben. „Für nicht wenige Haushalte, bei denen zum Beispiel Kurzarbeit ansteht oder der Job bedroht ist, ist die Zahlung der Miete ein Kraftakt oder gar unmöglich geworden“, hieß es. Die Einrichtungen brauchten eine finanzielle Absicherung und vor allem zusätzliche Räume, erklärte Ulrike Kostka, Direktorin des Caritasverbandes für das Erzbistum Berlin.

Finanzierung der Kältehilfe ungeklärt

Die Kältehilfe wird in Berlin von kirchlichen und sozialen Trägern mit Hilfe von Ehrenamtlichen organisiert und üblicherweise vom Land über die Bezirke sowie mit Spenden finanziert. In diesem Jahr gibt es bei den Finanzen noch Fragezeichen: „Damit wir die Bezirke bei der Kältehilfe unterstützen können, sind wir jedoch darauf angewiesen, dass die Abgeordneten als Haushaltsgesetzgeber die zusätzlichen Mittel mit dem Nachtragshaushalt freigeben“, erklärte die Sozialverwaltung. Ein zweiter Nachtragshaushalt wird derzeit diskutiert.

Ganztagseinrichtungen am Anfang der Corona-Pandemie geschaffen

Wegen der Pandemie waren im Frühjahr Ganztagseinrichtungen für Obdachlose geschaffen worden. Die Kosten für die drei Einrichtungen wurden auf monatlich insgesamt etwa 851.000 Euro beziffert. Hintergrund für diese Ausgaben war die befürchtete Gefährdung von Obdachlosen: Sie haben keine Schutz- und Rückzugsräume und viele von ihnen zählen wegen gesundheitlicher Vorbelastungen zur Risikogruppe für Covid-19. Ein Teil der Plätze der Ganztagseinrichtungen soll in die Kältehilfe übergehen, eine der Einrichtungen ist auch bereits geschlossen.

Kältehilfe auf Oktober bis April erweitert

Zu den Angeboten für Obdachlose im Herbst und Winter zählen etwa Notübernachtungen, Nachtcafés und mehrere Kleinbusse, aus denen etwa Decken und Tee verteilt werden und die Menschen auf Wunsch in Unterkünfte bringen. Der Kältehilfezeitraum lief ursprünglich von November bis März, inzwischen wurde er auf Oktober und April ausgedehnt. In den vergangenen Jahren mit eher milden Wintern reichten die Plätze aus. Solange kein strenger Frost herrscht, bevorzugen einige Menschen Schlafquartiere im Freien, deshalb kann das das Platzangebot je nach Monat variieren.
Bei einer ersten systematischen Zählung von Obdachlosen in Berlin wurden im Januar rund 2000 Menschen erfasst. Zuvor gab es lediglich grobe Schätzungen, die von 6000 bis 10.000 Betroffenen ausgingen.