Die Angeklagten hatten diese Textilien auch bei einem Protest vor der Mauergedenkstätte in der Bernauer Straße getragen. Ausgerechnet am 13. August, als zahlreiche Gedenkveranstaltungen an den Mauerbau erinnerten. Sie entrollten das Transparent: "Erst die DDR kassieren - heute Europa diktieren - morgen gegen die Welt marschieren - stoppt sie."
Es gab Anzeigen wegen des Verwendens von Kennzeichen verfassungsfeindlicher Organisationen, die Staatsanwaltschaft ermittelte und stellte Strafbefehle über jeweils 90 Tagessätze aus. Dagegen gingen beide DDR-Anhänger vor, der Fall landete jetzt vor dem Amtsgericht Tiergarten. Trotzig blicken sie den Richter an, der mit viel Geduld versucht, die Verhandlung zu ordnen.Es ist ein Emblem, um das seit Jahren gestritten wird. Denn das Abzeichen der Original-FDJ ist nicht verboten, wohl aber jenes der bundesdeutschen Schwesterorganisation. Beide Embleme sind nur schwer zu unterschieden. Und nach dem Strafgesetzbuch ist auch das Tragen von Abzeichen verboten, die denen verfassungswidriger Organisationen "zum Verwechseln ähnlich" seien.
Diese juristische Konstellation soll unter anderem verhindern, dass Nazisymbole in abgewandelter Form in der Öffentlichkeit gezeigt werden. Für die Angeklagten, die aus Bochum und Frankfurt/Main stammen, ist dieser Paragraf ein Affront. "Der Prozess passt gut in die Zeit, da aktuell darüber debattiert wird, sämtliche Zeichen der DDR zu verbieten", heißt es auf ihrem Flyer.
Auch im Gerichtssaal geht die Auseinandersetzung weiter, zumindest verbal. Die Anwältinnen lehnen den Richter als befangen ab, eine faucht ihn an: "Sie müssen nicht meine Tätigkeit torpedieren." Dem Richter bleibt nichts anderes übrig, als die Verhandlung zu unterbrechen. Über die Anträge müssen seine Kollegen entscheiden.
FDJ-Fans: Die Angeklagten erschienen auch zum Prozess in Blauhemden. Später mussten sie sie ausziehen.Foto: Peter Panzer
Zwei FDJ-Anhänger stehen wegen des Tragens von verbotenen Emblemen vor Gericht