Nach mehreren Brandstiftungen in einem linksalternativen Wohnprojekt in Berlin-Spandau hat die Polizei Räume in dem Haus durchsucht und einen verdächtigen Bewohner festgenommen. Das teilte sie am Freitag mit. Zudem seien in dem Haus in der Jagowstraße Beweise sichergestellt worden, sagte eine Polizeisprecherin.
Die Hausbewohner nennen ihr Projekt „Jagow15“. Seit Februar gab es dort laut Polizei Brandstiftungen in einem Hausflur und auf dem Hof, Sachbeschädigungen sowie mindestens eine telefonische Bombendrohung. Die Bewohner erklärten daraufhin in einer Mitteilung, das Haus sei „mehrfach Opfer von rechtsextremer Gewalt in Form von Sprengstoffdrohungen und Brandanschlägen“ gewesen. Sie baten um Spenden für aufwendige Sicherungsmaßnahmen für 12.000 Euro und verglichen die Brandstiftungen mit den Brandanschlägen mutmaßlich rechtsextremer Täter in Neukölln und den rechtsextremen Drohschreiben mit dem Absender NSU 2.0.

Möbel, Autos, Carport abgebrannt

Der für politisch motivierte Taten zuständige Staatsschutz der Kriminalpolizei ermittelte in dem Fall. Zuständig war ein Kommissariat, dass sich mit rechtsradikalen Tätern befasst. „Im Zuge der Ermittlungen, die in alle Richtungen geführt wurden und weiterhin werden, ergab sich ein Verdacht gegen einen Bewohner des betroffenen Hauses in der Jagowstraße“, so die Polizei. Die Staatsanwaltschaft stellte einen Durchsuchungsbeschluss wegen des Verdachts der Brandstiftung gegen den Bewohner aus. Es wurden seine Wohnung und sein Kellerraum durchsucht.
Anfang April waren in einem Hausflur Möbel, darunter ein Regal und ein Sofa angezündet worden. Mieter löschten das Feuer. Zuvor waren Schmierereien mit einem rechtsextremen Hintergrund in dem Gebäude entdeckt worden. Mitte April wurden zwei alte Autos im Innenhof angezündet und zerstört. Ein Carport und ein Schuppen brannten ebenfalls ab. Kurz danach gab es eine Bombendrohung.
Das Wohnprojekt „Jagow15“ ist Teil des „Mietshäuser Syndikats“, eines Verbundes von mehr als 150 autonomen, selbstverwalteten Mietshäusern, Hausprojekten und Projektinitiativen in ganz Deutschland. In Berlin gibt es insgesamt 20 solcher Wohnprojekte.