Ab Mittag Kulturarbeit
Mit den ersten Lockerungen durfte die Galerie – wie andere – wieder öffnen, am 11. Juni begann die Ausstellung "Gift" von Julian Irlinger. Doch das Ganze sei auch jetzt nach einigen Monaten weiterhin relativ provisorisch, erzählt Smoszna. Der Empfangsbereich des Sozialamtes sei aus ehemaligen Schränken zusammengebastelt worden, die mit Glasscheiben versehen wurden. Schreibtische und Computer seien eigentlich das Büromobiliar der Galerie – die Angestellten des Sozialamtes nutzten diese nun auch. "Das führt dazu, dass die Mitarbeitenden der Galerie morgens nicht arbeiten können und danach auch im Ausstellungsraum arbeiten müssen", erklärt Maja Smoszna. Von 9 bis 11 Uhr werden hier nun Bedürftige zur Gewährung der Grundsicherung beraten, ab 12 Uhr öffnet offiziell die Galerie. Sie hatten Verständnis, dass während der Hochphase von Corona die Kultur eine kleinere Rolle gespielt habe, aber der Verlust des Raumes sei mittlerweile ein Verlust für die ganze Kunstszene, so Smoszna.
In einem Brief von Mitte Juli an den Bezirksbürgermeister von Mitte, Stephan von Dassel, äußerte der Arbeitskreis Kommunale Galerien Berlin Bedenken über die weitere Doppelnutzung. Ein geordneter Galeriebetrieb und Ausstellungen könnten nur eingeschränkt stattfinden. Dies gefährde eine der wichtigsten Kommunalen Galerien der Stadt, so der Arbeitskreis. In dem Brief wird zudem auf die Auswirkung auf die kommunale Kulturarbeit hingewiesen, dass Arbeitsplätze bedroht seien und Verträge nicht eingehalten werden könnten.
Das Amt für Soziales betreut nach eigener Aussage rund 17 000 Haushalte und Bedarfsgemeinschaften. Auf Nachfrage dieser Zeitung teilt das Bezirksamt mit, dass die nochmalige Verlängerung durch den Stadtrat bis Ende September allerdings – ferienbedingt – noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung des Bezirksamtes stünde. Dennoch sei schon klar, dass es keine anderen geeigneten Räumlichkeiten als die der Galerie gebe. Es bedürfe einer engen Verknüpfung zwischen dem Frontoffice in der Galerie und dem Backoffice, also allen Einheiten des Sozialamtes, die am Standort Müllerstraße zentralisiert sind, so die Pressestelle des Bezirksamtes.
Schon vor der Pandemie hätten 20 Arbeitsplätze gefehlt, dazu kämen jetzt die Hygiene- und Abstandregelungen. Weitere Abstimmungen zur besseren Verknüpfung der "hybriden Nutzung" seien derzeit aber geplant.
Statement der Galerie
In einem am Dienstag veröffentlichten Statement auf der Homepage der Galerie fordern Leiterin Ute Müller-Tischler und Solvej Helweg Ovesen, verantwortlich für die Künstlerische Leitung, dass sie die Ausstellungsräume schnellstmöglich zurück möchten. Spätestens bis zum 1. Oktober, "um die drängenden Fragen zu dem gegenwärtigen sozialen wie ökonomischen ‘Kollaps’ durch ästhetische Sprachen formulieren und damit einhergehenden und immer dringender werdenden Auseinandersetzungen kreativ mitgestalten zu können."
Maja Smoszna betont, dass die Galerie für Zusammenarbeit mit dem Amt für Soziales offen sei, um eine Lösung für alle Seiten zu finden. "Es ist schwierig, weil wir nichts planen können", sagt sie am Telefon. Im August ist eigentlich eine neue Ausstellung mit dem Berliner Künstlerprogramm des DAAD (Deutscher Akademischer Austauschdienst) geplant. "Wir wollen einfach Klarheit, was mit dem Raum passiert", sagt Smoszna.

Galerie "Alte Schule Adlershof"


Die Mitglieder des Arbeitskreises der Kommunalen Galerien machen sich auch Sorgen um die Galerie Alte Schule Adlershof und haben sich diesbezüglich in einem Brief an Oliver Igel, Bezirksbürgermeister von Treptow-Köpenick, gewandt. Sie schreiben, dass sich Kunstschaffende an sie gewandt hätten, um darauf aufmerksam zu machen, dass die Stelle der Galerieleitung durch den Eintritt in den Ruhestand der aktuellen Leiterin wegfallen wird. Zudem seien die Ersatzräume, die für die Umbauphase der Galerie zur Verfügung gestellt werden, nicht geeignet für professionelle Galeriearbeit. Der Arbeitskreis warnt, dass der Bezirk dadurch seine einzige Kommunale Galerie sowie bisher geleistete Kulturarbeit verlieren könnte. jw