Lindner hatte gefordert, dass zur Belebung der Konjunktur in der Corona-Krise das Verkaufsverbot an Sonntagen gelockert werden solle. "Mir würde schon reichen, wenn die Kommunen an zwölf Sonntagen im Jahr die Geschäfte öffnen könnten", sagte er der Funke-Mediengruppe. "Wenn uns das rechtssicher gelingt, ohne dass die Kommunen eine Klage der Gewerkschaften fürchten müssen, wäre schon viel erreicht." Seit vielen Jahren schon versuchen die Liberalen, in immer wieder neuen Anläufen das weitgehende Verkaufsverbot an Sonntagen zu kippen.
Verdi-Experte Akman nennt zwei Gründe, warum er gegen weitere Sonntagsöffnungen ist: So gehe eine Ausweitung der Öffnungszeiten "zu Lasten der Kolleginnen und Kollegen, die aufgrund der Pandemie ohnehin besonderen Belastungen ausgesetzt sind". Außerdem profitierten nur "finanzstarke Konzerne".
Im Grundgesetz festgelegt
Bei der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD) verweist man darauf, dass die Sonntagsruhe im Grundgesetz festgelegt sei. Der Sonntag sei ein schützenswertes Kulturgut, das den Menschen "Zeit für das Wesentliche im Leben und zur Erholung" schenke, sagte eine Sprecherin.
"Auch und gerade in der aktuellen Situation erfüllen die Sonntage den Zweck der Unterbrechung des Alltags", fügte sie mit Bezug auf die Pandemie hinzu. Deshalb sollten Öffnungen an Sonntagen auch weiterhin nur als "klar definierte und begrenzte Ausnahmen" möglich sein.
Die Festlegung der Ladenöffnungszeiten ist seit dem Jahr 2006 Sache der Bundesländer. In der Regel gilt: An sechs Tagen pro Woche dürfen die Geschäfte – theoretisch – rund um die Uhr geöffnet bleiben. Hinzu kommen mehrere Sonn- und Feiertage, an denen der Verkauf erlaubt ist. Während der Corona-Pandemie wurde das Verkaufsverbot an Sonntagen vielerorts gelockert. Allerdings nutzten nur wenige Ladenbesitzer und Handelsketten die erweiterten Möglichkeiten.
Stefan Genth, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Deutschland, begründete den weitgehenden Verzicht des Handels auf Sonntagsöffnungen damit, dass viele Geschäfte ihren Angestellten in der Pandemie "Zeit zur Erholung geben und die Logistik" entlasten wollten. "Für den Nicht-Lebensmittelhandel wären aber mit einer weiteren Normalisierung der Corona-Lage Sonntagsöffnungen sehr wichtig", sagte er.