Bisher war er das digitalpolitische Gesicht der CDU, jetzt wurde er zum Koordinator der Bundesregierung für Luft- und Raumfahrt befördert. Den 44-jährigen Thomas Jarzombek befragte Igor Steinle zu seinen neuen Aufgaben.
Herr Jarzombek, Sie sind der neue Koordinator für Luft- und Raumfahrt der Bundesregierung. Wie muss man sich Ihren neuen Job vorstellen?
Meine Aufgabe ist es, die deutsche Luft- und Raumfahrtindustrie zu fördern und das Handeln der Regierung zu koordinieren. Dazu habe ich ein Büro im Wirtschaftsministerium und werde von vielen tüchtigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Ministerium unterstützt.
Was für Entscheidungen stehen an?
Im Herbst gibt es einen neuen Förderaufruf für das Luftfahrtforschungsprogramm, mit dem wir die Luftfahrtindustrie mit jährlich 150 Millionen Euro unterstützen, einen besonderen Schwerpunkt legen wir hier bei kleinen und mittleren Unternehmen. Auch für das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt geben wir jedes Jahr knapp eine halbe Milliarde Euro aus. Dort wird nicht nur Luft- und Raumfahrttechnik entwickelt, sondern auch vernetzte Mobilität und künstliche Intelligenz. In meinem neuen Arbeitsgebiet geht es aber auch um alles, was die Europäische Weltraumorganisation betrifft, wie zum Beispiel die neue Mission von Alexander Gerst.
Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder hat angekündigt, ein bayerisches Raumfahrtprogramm zu starten. Wollen Sie etwa helfen, Söder auf den Mond zu schießen?
Im Gegenteil, ich wünsche ihm viel Erfolg für seine Amtszeit. In Bayern stecken sehr viele Arbeitsplätze in der Luft- und Raumfahrttechnik, deswegen macht es für Markus Söder Sinn, die Branche zu fördern. In Deutschland sind es insgesamt über 100 000 Arbeitsplätze. Viele davon im Süden und im Norden, aber auch noch an zahlreichen anderen Orten. Beispielsweise gibt es eine große Triebwerksfabrik in der Nähe von Berlin.
Werden wir dann wenigstens Herrn Gerst zum Mond schicken?
Das wird man sehen. Mein Schwerpunkt wird erstmal sein, die technologische Kompetenz der Luft- und Raumfahrtunternehmen auszubauen. Hier kommen viele neue Themen wie Digitalisierung und 3-D-Druck. Diese Entwicklungen können sich am Ende in ganz vielen Bereichen wiederfinden.
Zum Beispiel in Flugtaxen?
Drohnen und Flugtaxen gehören natürlich auch dazu. Drohnentechnik ist eine zentrale logistische Technik der Zukunft, daraus leitet sich auch das Flugtaxi ab. Momentan sehen wir aber, dass China die Drohnenherstellung zu einem strategischen Ziel erklärt hat. Viele Hersteller kommen aus Fernost, teilweise mit unfairen Subventionen gestärkt. Deswegen ist es richtig, dass wir hier mehr machen und diesen Markt nicht den Chinesen überlassen.
Sind Sie schon mal Flugtaxi geflogen?
Nein, noch nicht.
Wollen Sie das auf der ILA nachholen?
Ich bin auf jeden Fall immer aufgeschlossen für neue Technik. Erstmal freue ich mich aber darauf, mehr über mein neues Arbeitsgebiet zu lernen.
Kennen Sie sich da als Vielflieger nicht schon gut aus?
Die meisten Abgeordneten bringen da ja viel Erfahrung mit. Daher weiß ich, dass es einiges gibt, das besser werden kann.
Zum Beispiel?
Ein Flug wird Ihnen oft als pünktlich angezeigt, obwohl der Abflug bald bevorsteht, das Flugzeug aber am anderen Flughafen noch gar nicht gestartet ist. Was eine bessere Information der Fluggäste angeht, gibt es also Luft nach oben. Aber auch auf dem Vorfeld kann ich mir vorstellen, dass es in Deutschland Tüftler gibt, die Menschen schlauer zum Flugzeug bringen können als mit Bussen. Seit Jahrzehnten hat sich da nicht viel verändert, obwohl der Transport zum Flieger manchmal die Hälfte der Flugzeit in Anspruch nimmt.
Was sind die Alternativen?
Wenn Sie sehen, dass die Zukunft des Verkehrs aus selbstfahrenden Fahrzeugen besteht, kann ich mir vorstellen, dass es solche Lösungen auch für das Vorfeld geben kann.
Woran arbeitet die Branche noch?
An metallischem 3-Druck. Der verändert die Fabriken, die Produktionsprozesse, alles: Die riesigen Fertigungsstraßen von heute werden smarter. Damit können Sie auch ganz andere Teile bauen als heute. Strukturen etwa, die wie in der Tierwelt hohl sind. Damit sparen Sie ohne einen Verlust an Zuverlässigkeit bis zu 40 Prozent des Gewichts ein, und Gewicht ist alles beim Fliegen. Mit ihm reduzieren Sie auch Verbrauch und Emissionen. Aber auch das Thema Elektromobilität findet sich in der Luftfahrt wieder. Mit ihr kann Fliegen auch für Menschen, die in der Nähe von Flughäfen wohnen, erträglicher werden.
Das Problem Fluglärm gibt es also bald nicht mehr?
Flugzeuge sind heute schon viel leiser als früher. Die Branche glaubt, dass man den Fluglärm in den nächsten Jahren nochmal bis zur Hälfte reduzieren kann. Das müssen wir fördern. Denn das Bedürfnis nach Mobilität bleibt.