Zwischen Ausstellungstafeln mit Informationen und alten Schwarzweiß-Aufnahmen zur turbulenten Geschichte des vor elf Jahren stillgelegten Airports laden schicke gelbe Sitzmöbel zum Verweilen ein. Besucher können in Architekturbüchern über den Erbauer Ernst Sagebiel (1892-1970) stöbern oder sich in Broschüren über die Entwicklung der 220 Hektar großen Oase mitten in der Berliner Innenstadt informieren. Über ein interaktives Modell lassen sich die einzelnen Hangars von Europas längstem zusammenhängenden Gebäude aufrufen und Details zu ihrer Nutzung erfahren.
Ob sie bald auch wieder Flugzeuge beherbergen werden, ist allerdings noch ungewiss. Das Deutsche Technikmuseum, das nur drei Kilometer weiter am Kreuzberger Gleisdreieck sitzt, hat nun dem Hauptausschuss des Abgeordnetenhauses ein Konzept für ein Luftfahrtmuseum in Tempelhof in Hangar 6 vorgelegt, der von 2019 als Flüchtlingsunterkunft diente. "Wir haben mindestens 20 Maschinen in Depots, die wir der Öffentlichkeit gerne präsentieren würden", sagt Direktor Dirk Böndel.
Ein Ausstellungsstück könnte zum Beispiel das erste Ganzmetall-Passagierflugzeug F13 von 1919 sein, das gerade in Polen restauriert wird. "Mit ihm könnte man die Anfänge der zivilen Luftfahrt beleuchten", erklärt Böndel. Andere eher kleinere Maschinen lagern in einem Depot in Brandenburg, das aufgrund von Sicherheitserwägungen vom Technikmuseum geheim gehalten wird. Das kostbarste Stück ist allerdings eine Focke-Wulf Fw200 Condor, die im Zweiten Weltkrieg notwassern musste und erst 1999 vor der Küste Norwegens aus 65 Metern Tiefe geborgen wurde.  Das viermotorige Tiefdecker-Langstreckenverkehrsflugzeug werde derzeit von 80 freiwilligen Helfern in Bremen in einer Airbus-Halle restauriert, berichtet Böndel. Wenn das gute Stück im Herbst aufpoliert sei, dann bräuchte man einen Platz in Berlin. Genauso wie für die Sojus-Kapsel. Mit dem Gefährt, mit dem Alexander Gerst von seinem letzten Weltraum-Trip zurückkam, könne man die Ausstellung noch um das Thema Raumfahrt erweitern.
Und auch für die "Landshut" hätte man dann Platz, sagt Böndel. Erst jüngst hatten Ex-Geiseln der Flugzeug-Entführung von 1977 einen würdigen Standort für die Lufthansa-Maschine gefordert. Weil das Wrack seit zwei Jahren am Bodensee in einem Lager steht, schlagen sie Tempelhof vor und wünschen sich die Einrichtung eines Terror-Museums. "Mit der Maschine könnte man politische Geschichte und das Thema Flugsicherheit beleuchten, das ließe sich gut integrieren", findet  Böndel.
Zwar habe man darüber schon mit dem Kultusministerium gesprochen. Die Entscheidung liege ganz in der Hand der Politik. Die tut sich seit Jahren schwer mit der Entwicklung Tempelhofs. Auch, weil sich bei den Planungen für das Alliiertenmuseum, das bis 2025 in Hangar 7 ziehen sollte, herausstellte, dass der Sanierungsbedarf deutlich höher ist als geschätzt. Schon jetzt ist klar, die 131 Millionen Euro aus dem Sonderinvestitionstopf des Landes werden für ein Gesamtkonzept keineswegs reichen.
Die Tempelhof Projekt GmbH, die nun das Besucherzentrum eröffnet hat und das Gelände nach und nach zugänglich macht, befürwortet die Ansiedlung des Technikmuseums. "Der Flughafen Tempelhof ist ein geschichtlicher Ort für Berlin, Deutschland und die Welt. Eine Erzählung der Geschichte der Luftfahrt an diesem Ort bietet sich an", hieß es am Dienstag.
Check-In, Platz der Luftbrücke 5, täglich von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Infos zu Führungen unter www.thf-berlin.de

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