"Emissionsarme Luftfahrt" heißt das Thema, das die 340 angemeldeten Teilnehmern  des Tages der Deutschen Luft- und Raumfahrtregionen am Dienstagnachmittag an der Uni Potsdam umtreibt. Die deutschen Luftverkehrsgesellschaften sind zwar nach Angaben des Bundesverbandes der Luftverkehrswirtschaft BDL effizienter geworden. Seit 1990 ist der durchschnittliche Verbrauch pro Passagier auf 100 Kilometern von 6,3 Liter Kerosin auf 3,58 Liter Kerosin gesunken. Aber zugleich hat sich der Luftverkehr ab deutschen Flughäfen mehr als verdreifacht. Der Kerosinbedarf legte dadurch insgesamt um 98 Prozent zu. Bis 2050 wird weltweit noch einmal mit einer Verdreifachung des Luftverkehrs gerechnet.
Die Branche muss Treibhausgas-Ausstoß und Lärm drastisch verkleinern, wenn sie weiter wachsen will. "Lösen wir dieses Problem nicht, dann verspielen wir unsere Zukunft", warnt Andreas Sedlmayr vom Bundesverband der  Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie.   Diskutiert wird über elektrisches Fliegen, über eine Kombination von konventionellen Turbinen und Batterien und über neue Treibstoffe. Siemens zum Beispiel entwickelt seit zehn Jahren elektrische Flugmotoren.  Erste kleine Maschinen – zumeist Zweisitzer – fliegen elektrisch. Doch werden die E-Flieger als Nischenlösung gesehen, für Flugtaxen oder kleine Kurzstreckenflieger. Für das Gros des Verkehrs – die großen Passagiermaschinen – sind E-Motoren keine Lösung. Hersteller wie Rolls Royce setzen da eher auf die Verbesserung ihrer konventionellen Triebwerke – 20 bis 30 Prozent Effizienz-Steigerung seien dort möglich, hieß es in Potsdam.  Neue Kraftstoffe sollen hingegen bei Mittel- und Langstrecken einen Durchbruch bringen, vor allem synthetische Treibstoffe. Sie könnten mit Hilfe von Windenergie aus Wasserstoff und aus Kohlendioxid aus der Luft gewonnen werden. Allerdings, so wurde in Potsdam deutlich, steht die Suche nach klimafreundlichen Alternativen ziemlich am Anfang. Die neuen Technologien sind mit vielen ungelösten Problemen verbunden. Neuartige, sparsame und leise Triebwerke sind teils deutlich größer und schwerer als herkömmliche oder stoßen mehr schädliche Stickoxide aus.

Alternativen sind teuer

Umweltfreundliche Treibstoffe kosten heute um das Zwei- bis Fünffache mehr als Kerosin und werden wohl auch in Zukunft teurer bleiben. Ein Antrieb mit Hilfe von Brennstoffzellen, die Wasserstoff als Treibstoff nutzen, wird von Triebwerksherstellern als Option für die fernere Zukunft gesehen. Im Moment sind die Zellen noch zu schwer und müssen aufwendig gekühlt werden. So setzt die Branche vorerst  darauf, in allen Dingen – von der Logistik über Materialien bis hin zum fertigen Flugzeug – klimafreundlicher zu werden. Was offenkundig fehlt, sind die revolutionären Ideen. "Wir müssen noch viel mehr tun, dafür haben wir noch keine richtigen Lösungen", sagt Jörg Sieber von MTU Aero Engines. Geschafft werden soll das gemeinsam. Die Europäischen Kommission und die  europäischen Luftfahrtindustrie haben das Unternehmen Clean Sky als öffentlich-private Partnerschaft gegründet. Bis 2023 sollen innerhalb von Clean Sky vier Milliarden Euro für Innovationen in Grünen Luftverkehr ausgegeben werden. "Wir brauchen eine Innovationsarchitektur auf europäischer Ebene", sagt Ron van Manen von Clean Sky. Teil dessen könnte die Lausitz werden. Dort soll ein neues Institut zur Triebwerksforschung aufgebaut werden.  Derzeit forschen 30 wissenschaftliche Einrichtungen in Berlin und Brandenburg für die Luft- und Raumfahrt. 130 Unternehmen sind in der Region in dieser Branche tätig, die insgesamt 7500 Menschen beschäftigt.