In nicht einmal fünf Stunden werden die blau bestuhlten Tribünen der Arena erneut voll besetzt sein, dann allerdings mit Basketball-Fans, die für das Pokalfinale zwischen Alba Berlin und EWE Oldenburg nach Friedrichshain kommen. Da es sich auf Eis nur schlecht Körbe werfen lässt, muss in diesen fünf Stunden eine Verwandlung von einer Eishockey-Spielstätte in eine Basketball-Arena stattfinden.
Dass dies in so kurzer Zeit zu bewerkstelligen ist, daran ließ der Sprecher des Arena-Besitzers Anschutz Entertainment Group (AEG), Moritz Hillebrand, bereits im Vorfeld keinen Zweifel: "Sonst würden wir es nicht machen." Tatsächlich wurde die Möglichkeit des Umbaus seit der Eröffnung der Arena im Jahr 2008 in Aussicht gestellt. Zum Ernstfall kam es allerdings erst jetzt, nachdem Alba das Heimrecht für das Pokalfinale per Los zugewiesen bekam. Der Termin stand fest, an dem Doppelspieltag führte kein Weg vorbei. "Wir haben den Umbau bereits vor drei Jahren geprobt und vor drei Wochen nochmal mit voller Mannstärke trainiert", sagt Hillebrand. "Ich denke, wir sind bestmöglich vorbereitet."
Noch während die letzten Eishockey-Fans die Tribünenstufen hinaufsteigen, strömen Reinigungskräfte in knallgelben Warnwesten in die Arena. Die Wischmopps vor sich herschiebend rennen sie beinahe durch die Ränge. Rasch sind ihre blauen Plastiksäcke voll mit Getränkebechern und unter die Sitze gefallenen Essensresten. Zwischen den Tribünen hindurch fährt ein mit Dämmplatten beladener Gabelstapler an die Eisfläche heran. Crewmitglieder in orangefarbenen Warnwesten nehmen sie entgegen und decken Platte um Platte die Eisfläche ab. Insgesamt werden 1.249 Elemente mit einem Gesamtgewicht von knapp 40 Tonnen benötigt. Eine weitere Crew baut an anderer Stelle bereits die meterhohen Plexiglasscheiben am Spielfeldrand ab.
Knapp 250 Personen sind unmittelbar am Umbau beteiligt. Für einen regulären Wechsel von Eishockey auf Basketball werden nicht einmal halb so viele benötigt. Zählt man die Mitarbeiter der Vereine, der Gastronomie, des Sicherheitsdienstes, der Fernsehteams und aller weiteren Dienstleister hinzu, sind über 800 Personen für beide Veranstaltungen im Einsatz. Selbst Servicetechniker für Fahrstühle und Rolltreppen, die sonst nur im Störungsfall gerufen werden, sind bereits vor Ort.
Insgesamt bewegen die Umbauteams an diesem Tag etwa 350 Tonnen, ein knappes Drittel davon per Hand. Je nach Aufgabe tragen sie verschieden farbige Warnwesten. Ein Mann in schwarzer Bauarbeiter-Kleidung steht am Spielfeldrand und zeigt an, wo die ankommenden Materialien hin sollen. Er wirkt beinahe wie ein Dirigent. Sein Orchester scheppert und kracht. Die Geräuschkulisse ähnelt der einer Baustelle. Des Öfteren wird "Vorsicht!" und "Hier her!" gerufen. Was von der Tribüne aus betrachtet wie ein buntes Gewusel anmutet, unterliegt einem genau geregelten Ablaufplan.
350 Tonnen werden bewegt
Eingebettet ist der Umbau in eine intensive Phase von sechs Veranstaltungen in nur fünf Tagen. Erst vergangenen Freitag war die Arena Austragungsstätte für das ISTAF-Indoor. Samstag trat der Komiker Martin Rütter auf. Und am nächsten Tag soll das gerade im Aufbau befindliche Basketball-Setup bereits wieder verschwunden sein. Abends steht ein Konzert auf dem Veranstaltungsplan. Dienstag spielen erneut die Eisbären. Für Arena-Sprecher Hillebrand ist diese Abfolge verschiedener Veranstaltungen die eigentliche Herausforderung. Der Doppelspieltag sei lediglich ein Teil davon.
Nach einer guten Stunde ist das kalte Weiß unter dunklen Platten verschwunden. Die Crewmitglieder können nun die 403 Elemente Basketballparkett verlegen. Gleichzeitig werden LED-Banden aufgestellt und die frei gewordenen Flächen um das künftige Basketballfeld mit Stühlen ausgestattet. Das Foyer der Arena füllt sich da bereits mit ersten Fans. Wenn sie bis Anpfiff ihre Plätze eingenommen haben, dürften die Baustellenklänge erneut von Gesängen abgelöst werden.