Mehr Pünktlichkeit für Reisende und Pendler, sowie mehr Stabilität für den Güterverkehr – das verspricht die Deutsche Bahn mit der 200-Millionen-Euro-Investition in das Berliner Schienennetz. Nach rund vier Jahren Bauzeit wurde am Dienstag (12. Oktober) das zweite Gleis am Karower Kreuz in Betrieb genommen. Damit sind Fernzüge in Richtung Rostock, Schwedt oder Stettin künftig schneller unterwegs.
Mit dem zweigleisigen Ausbau des Karower Kreuzes zwischen Blankenburg und Karow hat die Deutsche Bahn einen Engpass auf der einzigen Zulaufstrecke für Fernzüge von und nach Norden beseitigt. Fortan können Züge an der Stelle 160 Kilometer pro Stunde fahren. „Wir schaffen mehr Kapazität, werden deutlich zuverlässiger und machen den Schienenverkehr noch attraktiver“, teilte Infrastrukturvorstand Ronald Pofalla mit.

Karower Kreuz mit neuen Oberleitungen

Neben dem Bau des zusätzlichen Gleises erneuerte die Bahn auf dem 3,1 Kilometer langen Streckenabschnitt die Stellwerke und legte neue Oberleitungen. Außerdem wurden Lärmschutzwände errichtet sowie mehrere Eisenbahnbrücken erneuert. Bis 2023 sollen im Rahmen des Projekts sämtliche Brückenarbeiten abgeschlossen sein. Insgesamt beliefen sich die Kosten laut Bahn auf rund 200 Millionen Euro.
Der Ausbau des Karower Kreuzes ist Teil des Gesamtvorhabens „Ausbau Eisenbahnknoten Berlin“. Zwischen Karow und Buch wurde bereits ein elektronisches Stellwerk in Betrieb genommen sowie der Oberbau der S-Bahn-Strecke erneuert. In weiteren Bauabschnitten etwas weiter nördlich zwischen Buch und Bernau stehen in den kommenden Jahren zudem Brückenarbeiten an.

In Bernau werden drei Brücken abgerissen

Allein in Bernau sollen ab dem Herbst 2022 drei mehr als 100 Jahre alte Bahnbrücken abgerissen und durch neue ersetzt werden. Dabei handelt es sich um die Überführungen an der Weißenseer Straße, der Bahnhofstraße und der Börnicker Chaussee. Die Stadt wird während der Bauarbeiten dann auch für Autofahrer zum Nadelöhr. Die Verkehrsplaner sind bereits damit beschäftigt, die Verkehrsströme neu zu organisieren. Auch die Busverbindungen müssen für die Zeit der Bauarbeiten neu geplant werden. Durch die im August eröffnete Ladestraße entlang des Bahndamms ist zwischen Weißenseer und Straße und Börnicker Chaussee ein Teil des Problems bereits entschärft worden. Wegen der Brückenbauarbeiten hatte die Stadt die Verschiebung des in diesem Jahr ausgefallenen Brandenburg-Tags ins kommende Jahr abgelehnt. 

Auch mehr Güterzüge unterwegs

Mit dem zweiten Gleis in Richtung Norden beseitigt die Bahn am Karower Kreuz ein Nadelöhr auf einer immer stärker befahrenen Strecke. Für Fahrgäste, die beispielsweise aus Mecklenburg, Fürstenberg, Gransee und Oranienburg Richtung Berlin fuhren, war dieses Nadelöhr häufig mit Warten verbunden: Die Züge mussten vor dem Karower Kreuz oft auf Züge aus der Gegenrichtung warten. Die Deutsche Bahn hat die Strecke allerdings in den vergangenen Jahren für zusätzlichen Zugverkehr ausgebaut: mehr Güterzüge zum Rostocker Hafen und nach Schwedt.
Zusätzlich fährt ein Intercity (IC 17 Dresden-Rostock) auf der Strecke. Im Dezember 2022 kommt eine ganz neue Linie hinzu: Die Regionalbahn RB 32 soll Oranienburg direkt mit dem Flughafen BER verbinden. In Zukunft soll die reaktivierte Heidekrautbahn ebenfalls das Karower Kreuz passieren. Bereits heute fahren dort neben dem RE5 auch der RE3, die RB12, RB 54, RB55 sowie ICE-Züge Richtung Stralsund. Langfristig plant die Deutsche Bahn am Karower Kreuz einen Umsteigebahnhof. Dann würde der Umweg über Berlin-Gesundbrunnen entfallen.