Solche Schicksale ereignen sich auf den Straßen einer Millionenstadt wie Berlin. Darüber zu berichten, gehört zum Handwerk von Journalisten. Doch dieser Unfall erschüttert unsere Redaktion bis ins Mark. Denn bei dem Toten handelt es sich um unseren Kollegen und Freund Mathias Puddig. Er wurde 35 Jahre alt.
Mathias Puddig arbeitete für diese Zeitung als politischer Korrespondent. Er berichtete vor allem über die SPD, noch vor wenigen Tagen führte er ein langes Interview mit der Vorsitzenden Saskia Esken. Auch über Bildungspolitik, über ihre Irrungen und Wirrungen schrieb er und diskutierte er leidenschaftlich. Er war neugierig, fröhlich, vielseitig interessiert, offen für die Welt – so wie es ein guter Journalist sein muss, wie es ein Mensch sein sollte und nur wenige es sind. In seinem letzten Leitartikel beschrieb er das Fernweh, das uns in Corona-Zeiten so hart trifft, und berief sich dabei sowohl auf die Schlagersängerin Nana Mouskouri wie den Historiker Bodo Mrozek.
Seine große Leidenschaft war der Film. Blockbuster, Autorenfilme und die neuesten Serien; er kannte alles, ihn interessierte alles. Für die Berlinale nahm er sich mitunter Urlaub – und führte trotzdem Interviews mit Schauspielern, Regisseuren und besprach Filme. Noch lieber spielte er mit seinen Neffen oder verbrachte Zeit mit seinem langjährigen Partner. Von diesen geliebten Menschen erzählte er gerne und mit leuchtenden Augen. Die Ostsee war sein Sehnsuchtsort, und er schaffte es immer wieder, das Meer in seine Texte zu schmuggeln.
"Ich will Journalist werden", mit diesen Worten war Puddig beim Oranienburger Generalanzeiger aufgetaucht, für den er bereits als Abiturient geschrieben hatte. Er volontierte bei der Märkischen Oderzeitung und begann dort als Redakteur. Später wechselte er in die Neue Berliner Redaktionsgesellschaft, wo er mit großem Erfolg tätig war. Sein plötzlicher Tod ist ein schrecklicher Verlust für uns alle.