Die Landesregierung Brandenburg, der  Senat von Berlin und die Bahn versuchten 2017 eine Antwort zu geben und riefen das Großprojekt i2030 ins Leben. Es umfasst rund ein Dutzend Projekte – von der Durchbindung des Prignitz-Expresses ins Berliner Zentrum, über den Ausbau der Ost-Westverbindung, den Bahnkorridor nach Nauen, die Wiederinbetriebnahme der Potsdamer Stammbahn, den Ausbau der Strecke von Berlin nach Cottbus bis hin zu Verlängerungen und Verdichtungen auf S-Bahnstrecken ins Berliner Umland. Seit zweieinhalb Jahren heißt es: Es wird geprüft und geplant.
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Die einzigen greifbaren Ergebnisse gibt es bei der Heidekrautbahn. Dort sind die Vorplanungen abgeschlossen. Verkehrsexperten gehen davon aus, dass die Strecke von Berlin-Wilhelmsruh nach Basdorf die einzige sein könnte, die in dieser Legislaturperiode (bis 2024) noch in Betrieb geht. Laut ausgesprochen wurde das bislang noch nicht.
Für den sogenannten Westkorridor lautet die Auskunft des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB), der für die Kommunikation des Projektes zuständig ist, dass die S-Bahn über Spandau hinaus verlängert werden soll und zusätzliche Gleise für den Regionalverkehr benötigt werden. Dazu soll es Untersuchungen geben. Für den Prignitz-Express im Abschnitt Velten-Neuruppin seien die Vorplanungen weitgehend abgeschlossen. Die Finanzierungsvereinbarung für weitere Planungen wird vorbereitet.
Für den eigentlichen Flaschenhals, die Strecke zwischen Hennigsdorf und Berlin-Gesundbrunnen, gibt es noch keine Festlegung auf eine von mehreren Varianten. Das Gleiche gilt für die Potsdamer Stammbahn. Die ist wichtig, um die Ost-Weststrecke durch Berlin mit dem Fernverkehr und dem RE1 zu entlasten. Es fehlen politische Entscheidungen, heißt es dazu aus der Bürgerinitiative Stammbahn. Es sei lange genug untersucht worden.
Für die Verbindung des RE1 zwischen Magdeburg und Eisenhüttenstadt heißt es in einer Präsentation des VBB, dass eine Reihe von Bahnhöfen für längere Züge zu kurz und zu niedrig ist. Wann das behoben werden soll, ist unklar. Für den zweigleisigen Ausbau zwischen Lübbenau und Cottbus wird Planrecht für 2023 angestrebt. Wann der Bau beginnen könnte, steht nicht fest. Der Umbau des Nadelöhrs Königs Wusterhausen wird in der Präsentation als "langfristiges" Vorhaben bezeichnet.
Als Ursache für den schleppenden Fortschritt wird vor allem fehlendes technisches Personal in allen Planungsbereichen genannt. Außerdem hat sich Berlin auf ein eigenes Projekt kapriziert, das nachträglich in das Vorhaben i2030 aufgenommen wurde: die Wiederbelebung der sogenannten Siemensbahn im Westen der Stadt. Die S-Bahnlinie soll zur Anbindung eines neuen Wohn- und Gewerbegebietes dienen.
Inzwischen melden sich weitere Kommunen in Brandenburg zu Wort, die von der Landesregierung einen Bahnanschluss fordern. Allen voran die Städte Wriezen, Liebenwalde und Ketzin. Die Kleinstädte befinden sich in einer Entfernung, die Pendeln nach Berlin erlauben würde, und erhoffen sich ein entsprechendes Wachstum.  Vorausgesetzt, die stillgelegten Bahnen dorthin würden reaktiviert. Im Koalitionsvertrag von SPD, CDU und Grünen sind Reaktivierungen von Bahnstrecken ausdrücklich erwähnt. Nachfragen in der letzten Sitzung des Verkehrsausschuss des Landtages blieben jedoch ergebnislos. Über solche Projekte werde man bei der Aufstellung des nächsten Nahverkehrsplanes nachdenken. Der soll 2023 kommen.

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