Erste Akteneinsichtnahmen von Abgeordneten legen den Verdacht nahe, dass der Präsident des Landesgesundheitsamtes, Detlev Mohr, das Parlament bei der ersten Sitzung zum Pharmaskandal belogen hat. Gesundheitsministerin Diana Golze (Linke) lehnt es zum jetzigen Zeitpunkt jedoch ab, personelle Konsequenzen zu ziehen.
In der zweiten Sondersitzung des Gesundheitsausschusses zum Pharmaskandal rund um möglicherweise gestohlene Krebsmedikamente innerhalb von drei Wochen brachten die Fragen einer gut vorbereiteten AfD-Fraktion die wesentlich neuen Erkenntnisse. Der Abgeordnete Rainer van Remdonck hatte Akteneinsicht in die Unterlagen der Staatsanwaltschaft genommen und darin entdeckt, dass der Präsident des Landesgesundheitsamtes, der vor drei Wochen noch erklärt hatte, dass alle Informationen zu gestohlenen Medikamenten an ihm vorbeigegangen seien, wesentlich mehr wusste.
Bislang stand der Verdacht im Raum, dass ein Referent des Landesgesundheitsamtes die brisanten Hinweise auf in Griechenland gestohlene Medikamente für sich behielt. Laut den Akten der Staatsanwaltschaft informierte er jedoch seine Abteilungsleiterin, mehrfach auch den Präsidenten und Mitarbeiter des Gesundheitsministeriums über den Verdacht gegen Lunapharm. Der Justiziar des Landesamtes, riet ihm sogar ab, die Medikamte der Firma einzuziehen.
Die Vorsitzende des Gesundheitsausschusses, Sylvia Lehmann (SPD), bestätigte dies: „Der Präsident erhielt alles als Kopie“, sagte sie. Präsident Mohr hatte bei der Staatsanwaltschaft Neuruppin Anzeige gegen den Mitarbeiter wegen des Verdachts der Korruption gestellt. Die Ermittler hatte den Anfangsverdacht nach wenigen Tagen zurückgewiesen und in ihrer Begründung die vielfältige Korrespondenz des Betroffen als Indiz aufgeführt, dass er nichts zugunsten von Lunapharm verheimlichen wollte.
Gesundheitsministerin Diana Golze lehnte disziplinarische Maßnahmen zum jetzigen Zeitpunkt ab. Sie verwies auf eine von ihr eingesetzte Task Force, die das Behördenversagen bei der Medikamentenüberwachung untersucht. Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) stellte sich hinter Golze. Sie habe „momentan“ sein volles Vertrauen. Wir sind alle gut beraten noch zwei Wochen zu warten, bis der Bericht der Überprüfung vorliegt, sagte der Regierungschef.