Wegen der Entschärfung einer Weltkriegsbombe mussten Tausende Menschen am Samstag für mehr als zehn Stunden ihre Wohnungen in Berlin-Kreuzberg verlassen. Kriminaltechniker des Landeskriminalamtes (LKA) machten den 250 Kilogramm schweren Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg am späten Samstagnachmittag unschädlich, wie die Polizei am frühen Samstagabend twitterte.
Kurz darauf durften die Anwohner schließlich zurück in ihre Häuser. Einige Polizisten mit Mund-Nasen-Schutz posierten für ein Erinnerungsfoto mit der Bombe, wie bei Twitter zu sehen war. Dann wurde die Bombe zum Sprengplatz Grunewald abtransportiert.

Bahnverkehr wurde unterbrochen

Während der Entschärfung an der Neuenburger Straße nahe des U-Bahnhofs Prinzenstraße wurden die U-Bahnlinien 1 und 3 zwischen den Bahnhöfen Kottbusser Tor und Hallesches Tor (U1) beziehungsweise Nollendorfplatz (U3) unterbrochen. Zuvor wurden bereits die Buslinien M41 und 248 umgeleitet. 
Der Blindgänger war am Freitag bei Bauarbeiten auf dem Hof des Patentamtes gefunden worden. Der große Komplex erstreckt sich zwischen der Gitschiner Straße und der Neuenburger Straße. Der Sperrkreis rund um den Fundort hatte einen Radius von 300 Metern. 

Rund 350 Polizisten im Einsatz

Ab 8.00 Uhr morgens hatte die Polizei die Menschen in Sicherheit gebracht. Rund 350 Polizisten waren im Einsatz. 7500 Menschen verließen mehr oder weniger freiwillig ihre Wohnungen. Die Polizei teilte mit, der Bezirk habe unter anderem drei Hotels gemietet, um genügend Platz für Corona-Infizierte, Menschen in Quarantäne und Hilfsbedürftige zu schaffen. Auch soziale Einrichtungen und Kirchen stünden für den Aufenthalt zur Verfügung.
Polizisten gingen von Tür zu Tür, um die Menschen einzeln anzusprechen. Lautsprecherwagen der Polizei fuhren durch die Straßen. Es gab Durchsagen auf Deutsch, Türkisch und Arabisch. Auf elektronischen Anzeigetafeln an den Polizeiwagen stand „Blindgänger aufgefunden“ und „Evakuierung“. Auch auf Twitter veröffentlichte die Polizei Informationen auf Türkisch.

Unterstützung durch Feuerwehr und Hilfsorganisationen

Vor allem der Krankentransport von Hilfsbedürftigen habe Zeit benötigt, sagte eine Polizeisprecherin. Menschen, die auf Hilfe angewiesen seien, sollen nach und nach aus den Wohnungen gebracht worden sein. Unterstützung kam von der Feuerwehr und Hilfsorganisationen. Das Rote Kreuz twitterte: „Wer lange von zu Hause fern bleiben muss, bekommt sicher irgendwann Appetit. Unsere DRK Helfer:innen kümmern sich um das leibliche Wohl der Untergebrachten mit kleinen Carepaketen. Fast wie Roomservice!“