Immerhin können sie über sich selbst lachen. „rbb-Radioprogramme erreichen jeden Tag 1,6 Millionen Hörer. Die Menschen lieben unsere Radiosender, im Gegensatz zum rbb-Fernsehen“, heißt es in einem von mehreren kurzen Videos, mit denen am Donnerstag im Funkhaus an der Berliner Masurenallee auf das Programm für das laufende Jahr geblickt wurde. Die Einschaltquote beim rbb-Fernsehen stagnierte im vergangenen Jahr bei 5,9 Prozent. Vorletzter Platz bei den dritten Programmen. Und das trotz vieler neuer Inhalte und enormem Werbe-Aufwand. „Bloß nicht langweilen“, lautete der Titel der breit angelegten Kampagne.
Die Botschaft der Chefetage lautet, dass man zufrieden und durchaus stolz auf das bereits Erreichte sei, aber auch den Ehrgeiz habe, mit guter Qualität mehr TV-Zuschauer zu erreichen. Gelingen soll das auf der einen Seite mit zusätzlichen regionalen Informationen und auf der anderen Seite mit mehr Filmen und Serien, die sich um die Region drehen.
Intendantin Patricia Schlesinger, die Kraft ihrer Vita als Reporterin und Moderatorin den journalistischen Anspruch des Senders überzeugend vertreten kann, verspricht zusätzliche Sendeplätze für Reportagen zu gesellschaftlich relevanten Themen – vom Strukturwandel in der Lausitz bis zum Wohnungsmangel in Berlin. Mehr „Spezial“-Sendungen soll es geben, wenn Außergewöhnliches geschieht. „Das wollen die Leute sehen“, weiß Schlesinger. Die Brandenburger Landtagswahl werde bereits im Vorfeld großen Raum einnehmen. Dokumentationen sollen die politische Stimmung im Land einfangen. In einer „Wahlarena“ werde es Rededuelle geben. Außerdem entwickelt der Sender mit dem „Bürgertalk“ ein neues Format, in dem regionale Streit-Themen diskutiert werden sollen.
Neue Nachrichten-Gesichter gibt es auch. Ab Februar fängt Franziska Maushake bei „Brandenburg aktuell“ als Moderatorin an. Und mit Volker Wieprecht führt ein sehr prominenter Radio-Mann ebenfalls ab Februar durch die Wochenendausgaben der Berliner „Abendschau“.
Sportfreunde dürften sich darüber freuen, dass in diesem Jahr nicht nur Fußball im Fokus steht. Am 3. und 4. August überträgt der rbb aus Berlin die Finalentscheidungen in zwölf Deutschen Meisterschaften – von Bogenschießen bis Triathlon.
Aushängeschilder aller dritten Programme sind aber selbst produzierte Unterhaltungsfilme. Hier hat es der rbb als vergleichsweise finanzschwache Anstalt schwer. „Denn Fiktion ist teuer“, sagt die Intendantin. „Aber wir dürfen uns vom Netflix-Hype nicht paralysieren lassen.“ Eine Mini-Serie soll Ende des Jahres starten, in Planung ist außerdem eine Comedy-Serie, die in Brandenburg auf dem Land spielen soll. Beide Projekte seien allerdings noch in einem frühen Stadium, wie Patricia Schlesinger betont.
Fortgesetzt wird „Die Heiland“ über eine blinde Anwältin, außerdem soll es eine neue Vorabendserie geben. Arbeitstitel: „Wapo Berlin“ (Wasserschutzpolizei). Hinzu kommen rbb-Spielfilme, die im Ersten laufen werden, etwa die Spionagegeschichte „Wendezeit“.
Als ein Beispiel, mit dem der rbb 2018 ins Schwarze getroffen habe, nennt Schlesinger die Doku-Serie „Schicksalsjahre einer Stadt“. Die Erinnerungen an das geteilte Berlin hätten sonnabends 20.15 Uhr doppelt so hohe Einschaltquoten erreicht wie sonst üblich. Deshalb werde das Projekt fortgesetzt, mit einer 4. Staffel, die von den 1990er-Jahren erzählt.